E-Mails von Amberg nach London im Visier der Justiz - Mögliche Verbindung zu mafiöser Gruppe in ...
Fließen Millionen in schwarze Kassen?

Nach sieben Prozesstagen fiel der Begriff erstmals: Africa Connection. Daraus resultiert die Frage, ob es sein kann, dass abgezockte Gelder in Millionenhöhe ganz zum Schluss die dunklen Kassen dieser international operierenden kriminellen Vereinigung füllten? Der Angeklagte schweigt noch immer.

Für den 54-Jährigen, der in Amberg als Finanzmakler arbeitete, legen sich seine beiden Anwälte Hans Meyer-Mews (Bremen) und Michael Schüll (Amberg) ins Zeug. Sie wiesen auf Persönlichkeitsrechte ihres Mandanten hin, als ein Gerichtsvollzieher eingehend vernommen werden sollte. Die Erste Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Roswitha Stöber verzichtete daraufhin auf weitere Fragen. Bis zu diesem Zeitpunkt war nur deutlich geworden: Der von Gläubigern beauftragte Vollzugsbeamte musste öfter mal in beitreibender Mission zu dem Finanzmakler.

Zu den Eigenarten großer Verhandlungen gehört nicht selten, dass über Stunden hinweg schriftliche Unterlagen verlesen werden müssen. Das gilt auch für dieses Verfahren, bei dem der 54-Jährige im Verdacht steht, Darlehensgeber aus dem In- und Ausland angeworben zu haben. Sie überwiesen insgesamt rund vier Millionen Euro und taten das unter der Zusicherung hoher Renditen.

Kein Cent aufgetaucht

Von den Summen ist bisher kein Cent mehr aufgetaucht. Sie sollten angeblich dazu dienen, einen irgendwo lagernden 500-Millionen-Betrag auszulösen. Die Liste der zu verlesenden Schriftstücke ist schier unendlich lang. Darunter befinden sich zahlreiche E-Mails, die weitgehend von Amberg aus nach London geschickt wurden. Mitunter sind auch die hinhaltenden Antworten auf Computern gefunden und ausgedruckt worden. Dem Richter Christian Frey kommt im Prozess die Aufgabe zu, die Mails vorzulesen.

Dabei verdeutlichte sich am siebten Verhandlungstag: In London saßen offenbar zwei Männer mit den Vornamen Jeffrey und James. Sie hatten mit den finanziellen Transaktionen zu tun und gerieten irgendwann heftig ins Visier des Amberger Finanzmaklers. Der 54-Jährige, hat es den Anschein, wurde von argwöhnisch gewordenen Darlehensgebern bedrängt, wollte von den Partnern aus Großbritannien unverzüglich Taten (oder besser: Geldanweisungen) sehen. Gekommen ist nichts.

Herr James konnte dann auf seinem PC lesen:"So viele Intrigen und Lügen stinken zum Himmel." Er möge "etwas unternehmen", wurde dem Engländer mitgeteilt und ihm verdeutlicht: "Es gibt einen Skandal. So etwas haben Sie noch nicht erlebt." Dann kam die in öffentlicher Sitzung erfolgte Bekanntgabe einer Mail an den gewissen Jeffrey im Vereinigten Königreich. Darin stand: "Dies alles lässt den Schluss zu, dass Sie mit der Africa Connection zu tun haben."

Weltweit tätig

Die Africa Connection, von dem Amberger Finanzmakler so bezeichnet, ist wohl besser bekannt als Nigeria Connection. Dabei handelt es sich um eine weltweit ihr Unwesen treibende kriminelle Vereinigung, die es seit vielen Jahren gibt. Schon im Prozess gegen den heuer in Weiden wegen Betrugs zu elf Jahren Haft verurteilten Wolfgang S. (68), für den der Amberger Finanzmakler Geschäfte machte, war die Frage aufgetaucht, ob die damals zur Debatte stehenden Millionenbeträge in den mafiös strukturierten Kanälen der Nigeria Connection versickerten.

Fortsetzung am Mittwoch

Viele der Darlehensgeber sind bis heute zuversichtlich, dass sie ihre Einlagen (ob mit oder ohne üppige Renditen) doch noch zurückerhalten. Dabei steht fest: Sollte die Nigeria Connection tatsächlich abgesahnt haben, sind die Gelder ein für allemal verloren. Doch das erscheint, wie so vieles in dem Prozess vor dem Landgericht, als ungewiss. Was die gegenwärtige Faktenlage beschreibt, ist eine Feststellung der Vorsitzenden Richterin Stöber: "Wir wüssten alle gerne, wo die Millionen hingekommen sind." Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt.
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