Ebbe im Haidweiher

Eigentlich ist er mit einer Fläche von rund 14 Hektar das größte Gewässer im Landkreis. Derzeit gleicht der Haidweiher aber eher einem mittleren Tümpel. Das hat natürlich Folgen - besonders für die Tierwelt.

Es ist ein trauriger Anblick. Am Mönch gemessen ist der Wasserstand 1,20 Meter niedriger als üblich - an manchen Stellen ist der Schilfgürtel derzeit rund 18 Meter von der Wasserfläche entfernt. Darauf macht Hans-Hermann Lier, der Vorsitzende des Fischereivereins Amberg, aufmerksam: Es fehle weit mehr als die Hälfte des Wassers.

Vom Regen abhängig

Der Haidweiher ist laut Lier völlig abhängig von Regen, der dieses Jahr zu oft ausgeblieben sei. Keine Quelle speist den Weiher, sondern nur ein kleiner Bachwiesengraben, der Wasser über Drainagen der Wald- und Wiesenflächen im Umfeld von Paulsdorf sammelt: Viel zu wenig um beispielsweise Wasserski zu fahren. Deshalb hat der Wasserskiclub den sportlichen Betrieb bereits Mitte des Jahres aus Sicherheitsgründen eingestellt. Und der Fischereiverein Amberg hat aufgehört, hier zu angeln. Jetzt drängen sich die vielen Fische in dem verbliebenen, niedrigen Wasser, das nach Liers Worten keinerlei Rückzugsmöglichkeit und Deckung bietet: Der Tisch ist damit für viele fischfressende Vögel reich gedeckt, Grau- und Silberreiher sowie Kormorane haben leichtes Spiel. Mitglieder des Fischereivereins haben 100 bis 150 Vögel gezählt, die Tag für Tag den Haidweiher besuchen.

Hungriger Kormoran

"Ein Kormoran kann ohne Probleme einen 40 bis 50 Zentimeter langen Fisch verschlingen", erläutert Lier. Der tägliche Nahrungsbedarf dieses Vogels liege bei rund 450 bis 500 Gramm. Nicht jeder Fangversuch des sogenannten "Wasserrabens" sei erfolgreich. So würden viele Fische verletzt, die dann eingehen, damit wiederum die Wasserqualität erheblich beeinflussen und damit die gesunden Weiherbewohner gefährden.

Für die Fische, insbesondere Karpfen und Schleien, die normalerweise jetzt auf dem Grund in die Winterruhe gehen, ist dieser Zustand nach Liers Worten eine lebensgefährliche Stresssituation. Hunderte von Teichmuscheln, die den Rückzug in das verbleibende Wasser nicht geschafft hätten, seien verendet. Auch für viele Vögel, die in dem im Wasser stehenden, schützenden Schilfgürtel brüten, werde es im Frühjahr, wenn sich nichts verändert, nicht einfach: Sie sind laut Lier dann leichte Beute von Fressfeinden.

Winterruhe gestört

Wenn die Temperaturen fallen und sich eine Eisdecke bildet, sollte die Fläche nicht betreten werden, betont der Fischereiverein. "Zu groß ist die Gefahr, dass die Winterruhe der Flossenträger erheblich gestört wird in dem nun flachen Wasser - und dass viele deshalb den Winter nicht überstehen." Entsprechende Hinweisschilder werden noch aufgestellt.

"Wir brauchen jede Menge Niederschläge", machte Lier deutlich - eine andere Lösung gebe es nicht.
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.