Ebenburger Persona non grata

Das Tischtuch zwischen dem ehemaligen Vorsitzenden Dr. Klaus Ebenburger und den Freien Wählern ist zerschnitten (von links): Für stellvertretende Vorsitzende Patricia Pulkert, Stadtrat Dr. Eberhard Meier und Schriftführer Erwin Niklaus ist der Arzt zur Persona non grata, zur unerwünschten Person geworden. Bild: Huber

Gemeinsam im Stadtrat, das funktionierte nicht mit den beiden Doktoren. Klaus Ebenburger und Eberhard Meier kamen da auf keinen grünen Zweig. Den hat Ebenburger nach dem Abschied von den Freien Wählern plötzlich für sich entdeckt und mit der Diagnose über seinen Kollegen bei diesem Bluthochdruck verursacht.

Eines hat Meier ganz besonders auf die Palme gebracht: dass Ebenburger in seiner Reaktion auf eine Stellungnahme der Freien Wähler schrieb: "Wollte hier eine schlichte Seele einfach noch mal kräftig nachtreten? Oder ist es die Demenz, unter der hier möglicherweise jemand leidet?" Wer den Begriff Demenz als Schimpfwort verwende, der beleidige all die, die diese Krankheit haben, und mit ihnen die pflegenden und leidenden Angehörigen. "Eine Krankheit wird als politische Diffamierung benutzt, und das von einem Mediziner!", empört sich Dr. Eberhard Meier.

Amigo-Vorwurf

Meier war voll in die Schusslinie von Dr. Klaus Ebenburger geraten, weil er als Stadtrat im Juni einen Antrag auf Änderung der Straßen-Ausbaubeitragssatzung eingebracht hatte. Da wolle sich einer eigene Vorteile verschaffen, hatte Ebenburger gewettert und von einer Amigo-Affäre gesprochen, weil ein Vorstandsmitglied der Freien Wähler in der Frühlingstraße wohnt, die der Hintergrund für den Antrag ist.

Dr. Eberhard Meier kann Ebenburgers Vorwürfe nicht verstehen. Ziel sei es doch, mit dem Antrag eine Ratenzahlung von Straßenausbau-Beiträgen zu ermöglichen. Der Landtag habe den Weg dazu im April mit einer Änderung des Kommunalabgabengesetzes geebnet, aber festgelegt, dass das die Kommune entscheiden müsse.

Es gehe doch überhaupt nicht um die Frühlingstraße: "Die Ausbaubeitragssatzung gilt für alle - sicherlich zigtausend - Grundbesitzer in der Stadt. Ja, der Änderungsantrag bringt Verbesserungen für sie, sonst hätte ich ihn gar nicht gestellt", verdeutlicht Meier im Redaktionsgespräch. Auch Ebenburger habe im Übrigen Grundbesitz in Amberg.

Schriftführer Erwin Niklaus ist das Vorstandsmitglied der Freien Wähler, das von Ebenburger ins Visier genommen wurde. "Amigo lass ich nicht auf mir sitzen", sagt er. Hier habe Ebenburger klar übers Ziel hinausgeschossen und nicht nachvollziehbare Dinge in die Welt gesetzt. Auch Niklaus hält fest: Die Satzungsänderung sei keine Spezialität der Frühlingstraße, sondern betreffe alle, die Grund ihr Eigen nennen. Die Stadt hätte keine finanziellen Nachteile, würde sie Meiers Antrag folgen.

Ebenburgers Nachtarocken kommt bei den verbliebenen Spitzen der Wählervereinigung nicht gut an. Die stellvertretende FW-Vorsitzende Patricia Pulkert, sagt, sie wolle sich nicht auf dieses Niveau begeben. Für sie und die Freien Wähler sei die Causa Ebenburger nun beendet: "Für meine Person und für den gesamten Vorstand gibt es jetzt und künftig nichts mehr zu diesem Thema zu sagen." Die Freien Wähler seien bestrebt, eine seriöse, engagierte und sachgerechte Politik zu machen. "Die persönlichen Eindrücke und Empfindungen des Dr. Ebenburger sind nicht Gegenstand unserer Arbeit", stellt Pulkert klar.

Niklas atmet auf

Dass Ebenburger beim Wechsel der Fronten sich den Grünen angeschlossen hat, ist für Erwin Niklaus kein Problem: "Das Verhältnis zu unseren Freunden bei den Grünen wird weiterhin von gegenseitigem Vertrauen geprägt sein. Wir wünschen ihnen mit Sicherheit nichts Schlechtes", unterstrich der FW-Schriftführer, fügt aber hinzu: "Allerdings bin ich froh, dass Grobheit im politischen Disput nicht mehr mit den Freien Wählern verbunden wird. Es ist nicht ihr Stil, nur mit starken Worten auf Mängel hinzuweisen. Wir machen sachliche Lösungsvorschläge."
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