Eigentlicher Star des Konzerts war die Orgel
Verliebt und voller Leidenschaft

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Einweihung der Sandtner-Orgel gaben Andreas Feyrer (Orgel, rechts), Manuela Spitzkopf (Sopran, links) und Sophia Hofmann (Trompete, nicht im Bild) in der Ammersrichter St. Konrad-Kirche ein eindrucksvolles Konzert. Bild: u

Man nehme die Sandtner-Orgel in der Pfarrkirche St. Konrad, dazu einen virtuosen Organisten wie Andreas Feyrer, eine Meisterin des Trompetenspiels wie Sophia Hofmann und eine Gänsehaut-Feeling erzeugende Sopranistin wie Manuela Spitzkopf - folgt man diesem Rezept, ist ein anspruchsvolles Konzert von hohem Niveau garantiert.

Ammersricht. Voll und ganz bestätigen können dies die gut 150 Besucher, die den Weg in die St.-Konrad-Pfarrkirche gefunden hatten. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr war die Sandtner-Orgel von Weihbischof Reinhold Pappenberger geweiht und offiziell ihrer Bestimmung übergeben worden. Was lag da für einen musikbegeisterten Pfarrer wie Michael Jakob näher, als das Pfarrfest mit einem Konzert bereichern zu lassen?

Der eigentliche Star des Konzerts war die Orgel selbst, die mit ihrer Vielseitigkeit zwischenzeitlich Organisten aus der Region Amberg-Sulzbach wie ein Magnet anzieht. Auch wurden die großartigen Möglichkeiten offenbar, die das Instrument bietet. Alle Klangfarben, von extrem leise, trotzdem präsent im Raum, bis zum wahren Klangrausch, der förmlich alles wegfegt, wurden gezeigt.

Einer, der von der Orgel maßlos begeistert, ja förmlich in sie verliebt ist, ist der gebürtige Hirschauer Kirchenmusiker und Pianist Andreas Feyrer. Ihm gelang es hervorragend, das Instrument von seinen leisen, zarten und einfühlsamen Klängen bis hin zur majestätischen Klangfülle bestens zur Geltung zu bringen.

Französische Komposition

Mit Sophia Hofmann und ihren Trompetenklängen eröffnete er an der Orgel das Programm mit einem Einzugsmarsch von Franz Kanefzky. Es folgte der 1. Satz von Guilmants 5. Orgelsonate mit dem Titel "Allegro appassionato". Übersetzt bedeutet dies "schnell und leidenschaftlich". Genau diese Leidenschaft - speziell für die Ammersrichter Orgel und die französisch-romantische Orgelmusik - merkte man Andreas Feyrer beim Vortrag dieses Satzes an. Wie bei dem französischen Komponisten Alexandre Guilmant üblich, beinhaltete der Satz eingängige Themen, die mit kräftigen Akkorden und virtuosen Pedalpassagen unterlegt sind. Manuela Spitzkopf brillierte bei der dreisätzigen Telemann-Kantate "Da, Jesu deinen Ruhm zu mehren". Sie glänzte mit ihrer unverwechselbaren glockenhellen Sopran-Stimme mit schnellen Koloraturen, überzeugte aber genauso ausdrucksstark und gefühlvoll in leiseren Passagen.

Für einen weiteren Höhepunkt sorgte Sophia Hofmann. Sie begeisterte das Publikum mit ihrer virtuosen Technik bei der Fantasie für Trompete von Francis Thome, einem Orgelschüler des berühmten französischen Organisten César Franck. Die Fantasie beinhaltet frei zu interpretierende Passagen mit schnellen Läufen, aber auch gefühlvolle, lyrische Stellen und ein kräftiges Finale. Sophia Hofmann bewältigte bravourös das überaus abwechslungsreiche Stück, das sehr häufige Dynamik- und Tempowechsel aufweist.

Kräftiges zum Finale

Bei der "Toccata in Seven" von John Rutter, einem kurzen, kleinen und sehr rhythmischen Orgelstück im 7/8-Takt, ließ Andreas Feyrer im Kontrast zur französischen Romantik die helleren und strahlenden Klangfarben der Mixturen besonders zur Geltung kommen. Als vorletztes Werk folgte der Finalsatz der 5. Guilmant-Sonate. Betitelt mit "Choral und Fuge" begann das Stück sehr leise mit einem vom Komponisten frei überlegten Choral. Gefolgt von einer groß angelegten Fuge, die sich immer wieder mit dem Choralthema verbindet und sich dynamisch steigert, bis hin zu einem kräftigen Finale, bei dem der Choral in einer unglaublichen majestätischen Klangfülle erklingt und darunter das Fugenthema mit der gravitätischen Posaune 16' als Fundament gelegt wird.

Zum Finale ließen alle drei Künstler das Ave Maria von Caccini erklingen. Die Orgel zeigte mit den zarten Registern "Salicional" und "Voix Celèste", wie einfühlsam und dennoch raumfüllend klingen kann. Manuela Spitzkopf sorgte mit ihrer sehr gefühlvollen Interpretation für Gänsehautfeeling, sodass das Konzert einen sehr ruhigen und emotionalen Ausklang fand. Den anhaltenden Beifall der Konzertbesucher hatten sich die jungen Künstler redlich verdient.
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