Ein Abend für den Musical-Fan

"Rock me Amadeus" kennt wohl auch jeder. Bild: Steinbacher

"Ich war noch niemals in New York": Als diese Hommage an den kürzlich verstorbenen Udo Jürgens mit dem gesamten Auditorium zelebriert wurde, kannte die Begeisterung im Stadttheater keine Grenzen.

Man muss Musical mögen, um die Gala "Best of Webber - And Other Musical Highlights" so richtig genießen zu können. Im Theater fand sich jedenfalls eine große Zahl von Fans ein, um diese aufwendige Show zu erleben.

Andrew Lloyd Webber, Jahrgang 1948, hat es wie wohl kein anderer Komponist geschafft, mit seinen üppigen Musicals über Jahrzehnte hinweg die Besucher zu faszinieren. In Bochum läuft eine seiner ersten Erfolgs-Produktionen, der "Starlight-Express", seit über 25 Jahren. Das "Phantom der Oper" ist zu einem (mehrfach kopierten) Bestseller geworden. Die Titelsongs von "Evita" und "Cats" sind Ohrwürmer.

Fulminante Show

Und im Stadttheater wurden viele dieser Highlights in einer effektvollen Inszenierung turbulent und professionell an das Publikum gebracht. Das Orchester, auf vier Musiker reduziert und mit Keyboard, E-Bass, Gitarre und Schlagzeug im Hintergrund der undekorierten Bühne platziert, war mit absolut guten Arrangements Stütze des singenden und tanzenden Personals.

Und dieses Ensemble - sechs Tänzerinnen und Tänzer und ebenso viele Sängerinnen und Sänger - zeigte eine fulminante Nonstop-Show.

Natürlich hätte man sich gewünscht, dass die Aussteuerung etwas sensibler gewesen wäre. Oftmals gerieten die Dezibel der (verstärkten) Musik Trommelfell-schädigend an die Ohren.

Und es wäre ebenfalls hilfreich gewesen, wenn ein gedrucktes Programm nicht nur eine "Leitlinie" durch die Musicals gegeben hätte, sondern auch "schriftlich" die Namen der durchwegs großartigen Darsteller offenbart worden wären.

Doch auch ohne diese Hilfsmittel: eingangs "Cats" mit originell kostümierten "Katzen", die sich in eindrucksvoller Choreographie tänzerisch balgten und neckten und einem mit der erwarteten Emotion dargebotenen "Memory"-Song (sogar auf Deutsch verständlich gesungen) - schon das war eine große Vorstellung. Und es folgten, gleichfalls in oft atemberaubende, akrobatisch angelegte Tanzszenen eingebettet (Rückwärts-Salto der Männer!), Auftritte aus "Tanz der Vampire" und die Reminiszenz an den unvergessenen Falco: "Rock me Amadeus".

Alle Sänger hatten großes Format, waren mit Emotion, Leidenschaft und der erforderlichen Sentimentalität bei der Sache und erhielten nach ihren Auftritten stets den gebührenden und auch verdienten Beifall. Geschickt war es arrangiert, dass einige der Songs, "Evita" oder das "Wein nicht um mich, Argentinien", auf Deutsch gesungen wurden, und das mit einer ausgesprochen guten Textverständlichkeit.

Nahtlos gingen die Szenen ineinander über, eine ausgeklügelte Lichtführung unterstrich die Auftritte, perfekt die Abläufe, die die Darsteller in immer wieder neuen Kostüm-Kombinationen erscheinen ließen. Wirkungsvoll inszeniert das Zusammenwirken der tanzenden und singenden Protagonisten. Zu bewundern war dabei die Kondition aller Beteiligten, die selbst bei den turbulentesten Tanz- und Songmomenten nicht außer Puste kamen.

Publikum sehr zufrieden

Stark der Auftritt aus "Phantom der Oper" mit Christine und dem Phantom: "Sing wie ein Engel", mit Steigerung bis in die (schrillsten) höchsten Stimmlagen. Nicht ganz so gelungen, weil in der Theatralik überzogen, "Jesus Christ Superstar". Aber wieder beeindruckend präsentiert "Starlight-Express". Es war für jeden etwas dabei, und die meisten Musicals waren auch ohne Programm zu identifizieren. Nicht alles war Webber, aber alles kam echt gut an beim Amberger Publikum. Die einzelnen Akteure, Instrumentalisten und die singenden und tanzenden Mitwirkenden wurden witzig vorgestellt. Eine mitreißende, tolle Show, die man als Musical-Fan (trotz der oft zu lauten Beschallung) über zwei Stunden uneingeschränkt genießen konnte.
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