Ein berühmter Weltchronist

Ausstellungseröffnung in der Provinzialbibliothek ist am Mittwoch, 16. September, um 19.30 Uhr. Bild: hfz

Hartmann Schedel, der Weltchronist des Mittelalters, war Stadtarzt in Amberg. In der Provinzialbibliothek kann man diesen berühmten Mann jetzt kennenlernen.

Dort wird am Mittwoch, 16. September, um 19.30 Uhr die Ausstellung "Welten des Wissens. Die Bibliothek und die Weltchronik des Stadtarztes Hartmann Schedel (1440-1514)" eröffnet. Mit dabei ist Kuratorin Dr. Bettina Wagner aus der Bayerischen Staatsbibliothek München. Die ausgewiesene Expertin für Handschriften und alte Drucke stellt in ihrem Vortrag Leben und Bibliothek des Mediziners vor.

Fugger erwarb Sammlung

Gezeigt wird ein erlesener Teil der Schatzkammer-Ausstellung aus der Staatsbibliothek, die Hartmann Schedel anlässlich seines 500. Todestages im vergangenen Jahr würdigte und nun zu seinem 575. Geburtstag nach Amberg reist.

Die in München verwahrte Privatbibliothek Schedels zählt zu den bedeutendsten ihrer Zeit und umfasst Werke aus allen Disziplinen des Spätmittelalters: Rhetorik, Astronomie, Philosophie, Literatur, Geschichtsschreibung, Medizin, Jura, Theologie, Geografie und Kosmographie. Schon der Augsburger Handelsherr Johann Jakob Fugger erkannte ihren Wert und erwarb diese einzigartige Büchersammlung im Jahr 1552. Später trat er sie an den bayerischen Herzog Albrecht V. ab.

In seiner Bibliothek tritt Hartmann Schedel auch als Person in Erscheinung. Sowohl seine verwandtschaftlichen Verbindungen als auch sein Besitz werden dokumentiert. Von 1477 bis 1481 war er Stadtarzt in Amberg, bevor er schließlich in gleicher Funktion in seine Heimatstadt Nürnberg zurückkehrte. Als Arzt behandelte er viele Mitglieder der politischen, wirtschaftlichen und geistigen Elite der Region. Das Einzugsgebiet während der Amberger Jahre reichte bis nach Weiden, Nabburg, Kallmünz, Sulzbach, Auerbach und Kemnath - also in Orte, die mitunter mehr als eine Tagesreise entfernt waren. Hartmann Schedel unternahm auch zahlreiche Krankenbesuche in den Klöstern, in denen er Zugang zu seltenen Werken erhielt - wie etwa in Reichenbach und Ensdorf.

Von kaum einem anderen Autor des 15. Jahrhunderts sind durch handschriftliche Einträge, aber auch durch Wappenbilder und Porträts so viele private Details bekannt. Anhand seiner einzigartigen Handschriften und von seltenen Wiegendrucke wird Schedels Persönlichkeit heute wieder lebendig.

Weltbekanntes Werk

Schedels berühmte Weltchronik, die der Nürnberger Verleger Anton Koberger 1493 herausbrachte, machte das historische Wissen des Spätmittelalters in Bild und Wort zugänglich. Im Text, den Hartmann Schedel zusammenstellte, wird fassbar, was das intellektuelle Profil des Stadtarztes ausmachte: ein breiter Bildungshorizont und weit gesteckte Interessensgebiete, die er in einzelne Informationen aufgliederte, ordnete und bequem abrufbar machte.

Das Nachschlagewerk, in dem das gesamte Wissen über die Weltgeschichte aufzufinden ist, ist heute vor allem wegen der zahlreichen Stadtansichten weltbekannt.

Am Mittwoch, 30. September, um 19.30 Uhr lädt Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger zu einem Begleitvortrag ein. Das Thema lautet an diesem Abend: "Hartmann Schedel als Stadtarzt in Amberg".
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