Ein Denkfehler, der kostet

Deshalb muss ich mir genau überlegen, wen ich einsetze. Ich muss zu dem Menschen vollstes Vertrauen haben, denn ich lege mein Leben in seine Hand.

"Das Thema wird total unterschätzt", sagt Marianne Gutwein. Die meisten Leute glauben laut Vorsitzender des Sozialdienstes katholischer Frauen: Wenn ich zu alt oder zu krank bin, um meine Angelegenheiten selbst zu regeln, darf das automatisch mein Partner machen. Oder meine Kinder. Aber das ist ein Irrtum. Einer, der sogar sehr teuer werden kann.

Nehmen wir einen typischen Fall: Jemand, der keine rechtliche Vorsorge getroffen hat, kommt mit einem Schlaganfall ins Krankenhaus. Er ist jetzt nicht mehr Herr seiner Entscheidungen. Der Arzt informiert deshalb sofort das Betreuungsgericht am zuständigen Amtsgericht. Denn Partner oder Kinder, die keine schriftliche Vollmacht dafür haben, können für den Betroffenen keine rechtsverbindlichen Erklärungen abgeben oder Entscheidungen treffen. Das kann jetzt nur noch der Betreuer, den das Gericht bestellen muss.

Es hat bei der Auswahl laut Gesetzestext "auf die verwandtschaftlichen und sonstigen persönlichen Bindungen des Volljährigen, insbesondere auf die Bindungen zu Eltern, zu Kindern, zum Ehegatten und zum Lebenspartner" Rücksicht zu nehmen, aber auch "auf die Gefahr von Interessenkonflikten". Die Chance, dass ein naher Verwandter Betreuer wird, ist also relativ hoch, es muss aber nicht sein. Hält es das Gericht für notwendig, wegen drohender Interessenkonflikte einen anderen Betreuer zu bestellen, kommen Menschen ins Spiel, die mit der Familie nichts zu tun haben: Es kann selbstständige Berufsbetreuer beauftragen, Mitglieder oder Angestellte eines Betreuungsvereins sowie "Mitarbeiter einer in Betreuungsangelegenheiten zuständigen Behörde".

Jetzt stellt sich aber die Frage, was diese Betreuer für ihre Tätigkeit bekommen. Denn es gilt zwar der Grundsatz, dass "Betreuungen grundsätzlich ehrenamtlich und damit unentgeltlich geführt werden", aber eben nur bei den Verwandten, nicht bei berufsmäßigen Betreuern. Die erhalten, je nach ihrer Qualifikation, einen Stundensatz von bis zu 44 Euro, wobei pauschal bis zu achteinhalb Stunden im Monat zu vergüten sind.

Vollmacht spart Geld

Beträgt das Vermögen des Betreuten mehr als 25 000 Euro, kommen dazu noch die Kosten des Gerichts, also Gebühren und Auslagen, insbesondere Dokumentenpauschale und Sachverständigenauslagen sowie die Jahresgebühr. Jetzt könnte der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) mit dieser Sachlage ganz zufrieden sein, denn er fungiert auch als Betreuungsverein. Das heißt, er hat zwei Sozialpädagoginnen angestellt - Irene Übler und Angela Uschold -, die als Vereinsbetreuerinnen arbeiten. "Wir betreuen ganz viele Mittellose", beschreibt Irene Übler ihre Tätigkeit. In den meisten Fällen frage das Betreuungsamt an, ob der SkF eine Betreuung übernehmen könne. "Für einen mittellosen Betreuten im Heim bekommt man im Halbjahr 660 Euro", nennt Irene Übler einen gängigen Satz. Das Geld stammt in einem solchen Fall aus der Staatskasse. Doch Gutwein und Übler haben schon oft die Erfahrung gemacht, dass Betroffene viel besser gefahren wären, wenn sie eine Vorsorgevollmacht eingerichtet hätten. Damit ernennt man einen gesetzlichen Vertreter, der sich in rechtlichen Fragen um die Angelegenheiten des Vollmachtgebers kümmert, sollte dieser betreuungsbedürftig werden.

Wenn kein Betreuer zu bestellen ist, entfallen auch alle damit verbundenen Kosten. Alle seine Aufgaben kann im Normalfall der Bevollmächtigte genauso gut wahrnehmen. Die Voraussetzung ist aber, dass er per schriftlicher Erklärung in seine Funktion eingesetzt wurde, solange der Vollmachtgeber nicht in seinen geistigen Kräften eingeschränkt war. "Liebe Leute, macht bitte eine Vorsorgevollmacht", appelliert Gutwein deshalb an alle. Denn so könne man im Falle eines Falles Gerichte und Ämter außen vor lassen und sich neben Kosten auch viel unnötigen Ärger ersparen - Streit in der Familie zum Beispiel.
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