Ein Hase kommt selten allein

Hasenparade: Nicht nur ein Exemplar, sondern gar eine Vielzahl davon finden oftmals Kinder an Ostern vor. Denn ein Nesterl versteckt der Hase nicht nur bei ihnen daheim, sondern häufig auch bei Paten und Großeltern. Bild: dpa

Der Osterhase bringt ein Nest, gefüllt mit gefärbten Eiern, einem in Stanniolpapier eingewickelten Vertreter seiner Zunft und ein bisschen Schokolade. Ja, von wegen! Heutzutage versteckt er mitnichten nur ein Nest im Garten, sondern gleich eine Armada. Zudem schleppt er einen halben Spielzeugladen an - oder für größere Kinder ein neues Smartphone.

Die junge Ambergerin, Mutter von zwei Kindern im Alter von fünf und zwei, seufzt. Alle Jahre wieder dasselbe mit Ostern. Ihr Nachwuchs bekommt von ihr und ihrem Mann ein Nesterl. Dann noch jeweils eines von Oma und Opa, also von ihren Eltern und den ihres Gatten. Und schließlich gibt es noch Onkel und Tante, die ebenfalls ihr Patenkind beglücken wollen. Damit das jeweilige Geschwisterchen nicht leer ausgeht, rücken sie ebenfalls mit zwei Nestern voller Süßigkeiten an.

Die 35-Jährige rechnet vor, dass in der Summe sowohl ihre Tochter als auch ihr Sohn auf vier Nester kommen. Macht insgesamt acht prall gefüllte Körbchen, die in den Besitz der jungen Familie übergehen. "Wer soll das denn alles essen?!", fragt die Ambergerin sich ob der allzu großzügigen Bescherung durch den Osterhasen. "Ich finde, das ist zu viel", macht sie unmissverständlich klar. Doch ein wirklich probates Mittel gegen die Invasion der Osternester hat sie noch nicht gefunden.

Kein zweites Weihnachten

Helmut Fuchs ist Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche und arbeitet in der Erziehungsberatungsstelle Amberg. Er kann sich nicht erinnern, dass ihm gegenüber Eltern dies jemals thematisiert haben. "Man muss halt nur aufpassen, dass für die Kinder oder Enkel Ostern nicht zu einem zweiten Weihnachten wird", sagt Fuchs, der selbst vierfacher Großvater ist und dessen fünftes Enkelchen unterwegs ist. "Wichtig ist, deutlich zu machen, dass es eine Geste ist - und ein Brauch, nämlich Osternester zu suchen." Helmut Fuchs will die Eltern ermuntern, die Sache mit dem Schenken zu Ostern nicht ausufern zu lassen. Und selbst wenn der Nachwuchs seine Wünsche nach großen Geschenken äußert: "Man muss sie nicht erfüllen." Die Eltern seien auch Modell für die Kinder. Wenn sie sich selbst gegenseitig große Geschenke zu Ostern machen, weckt das natürlich Begehrlichkeiten bei den Kleinen.

Als viel wichtiger erachtet es Fuchs, dass sich die Familien zum gemeinsamen Osterfrühstück treffen. Oder ob Kinder überhaupt noch wissen, warum Ostern gefeiert wird, ob sie den christlichen Hintergrund kennen oder ob Ostern für sie nach Geburtstag und Weihnachten der dritte Tag im Jahr ist, an dem sie beschenkt werden. Für die eigenen Enkel werden natürlich im Garten Nester versteckt. "Da geht es vielmehr um das Suchen an sich und darum, dass man gemeinsam etwas macht", erklärt Fuchs. In seiner Familie wird ein alter niederbayerischer Brauch gepflegt: Ostereier werden auf einer schiefen Ebene gerollt und sollen durch den Schwung ein anderes, auf dem Boden liegendes berühren. "Wer das Ei trifft, darf es dann behalten."

Niemanden verprellen

Der Experte für Erziehungsfragen kann verstehen, wenn manche Eltern nicht wollen, dass ihr Kind eine wahre Nester-Flut bekommt. Das zu unterbinden, sei nicht ganz einfach. "Man will ja niemanden verprellen", schildert er das Dilemma. "Und den Großeltern und den Paten macht es ja auch Spaß, was zu schenken."
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