Ein schöner Schwede

"Heute kommen in Schweden auf einen Borg hundert Hermanns!" weiß Kalle Pohl als "schöner Schwede" und hat die Lacher im gleichnamigen Stück in der Inszenierung der Komödie am Altstadtmarkt Braunschweig auf seiner Seite. Bild: Steinbacher
Lokales
Amberg in der Oberpfalz
04.10.2014
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Ein vermeintlich hübscher Skandinavier, ein Landhaus, das nicht ihr gehört, und Maschen, in die sie sich verstrickt: Für Denise kommt alles anders als geplant.

Pardon, Herr Pohl: Als "schöner Schwede" wie Björn Borg es zu seiner besten Tennisprofizeit war, gehen Sie wirklich nicht durch. Auch nicht am Mittwochabend im gut besuchten Stadttheater Amberg in der gleichnamigen Komödie. Aber genau "einen Schweden - oder gar nichts" hat Denise bestellt bei einer Agentur, die Herren als Begleiter für alleinstehende Damen vermittelt. Mit einem echten Prachtexemplar möchte sie ihre Gäste beeindrucken im mondänen Landhaus, das sie, nebenbei gesagt, auch nicht bewohnt. Es gehört ihrer Chefin Beatrice, die verreist ist. Unerwartet steht diese nebst attraktivem Supermann Paul vor der Tür.

Ersatzmann Hermann

Beginnen wir von vorne. Musik erklingt, der Vorhang geht auf: Denise stöckelt ins opulente Bühnenbild: Blümchentapete, Kamin, Treppenaufgang, grüne Lümmelcouch und Essplatz. Hierhin hat sie ihren Callboy bestellt. Was sie noch nicht weiß: Wenn Not am Leihmann ist, schickt die Agentur Hermann, ein Exemplar der dritten Wahl! Da steht er nun ziemlich unsexy, der Ladenhüter: brav, bieder, beige-braun. "Alle anderen waren schon weg - es gab nur noch mich..."

Eine Superrolle für Kalle Pohl, Schauspieler, Komiker, Kabarett-Könner, die ihm sichtlich Spaß macht. Er walzt nicht alles platt, was sich an witzigen Dialogen und wirren Ideen im amüsanten Boulevard-Stück findet. Er geht behutsam um mit den Pointen. Ob mit rosa Frottee-Turban und Rüschenbademantel oder im klassisch-eleganten Smoking - er macht eine gute Figur. Sein Strip gefällt genauso wie seine ungewöhnliche Stricktechnik: "100 Maschen sind besser als eine Valium", lautet sein Entspannungsrezept.

Schwindelige Geschichte

Entspannung und Unterhaltung pur lautet das Rezept von Regisseur Dominik Paetzholdt. Er kann auf ein fabelhaftes Team bauen: Birgit Büscher gibt die souveräne Beatrice. Sie macht gute Miene zum bösen Spiel, weil sie Paul ja auch nur gemietet hat. Balint Walter mimt den testosterongesteuerten, wortkargen und leicht dümmlichen Liebhaber, der eine erotische Tangoszene mit Denise zeigt. Astrid Strassburger ist die attraktive und temperamentvolle Denise, die jede Situation perfekt meistert und sich am Ende dann doch in den Maschen von Hermanns Riesenpullover verstrickt... Schwindelig könnte einem werden bei dieser Schwindelgeschichte, die mit langanhaltendem Beifall belohnt wurde.
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