Ein Sturmangriff in der Sichtweise eines Offiziers

In Darstellungen, die für eine breite Öffentlichkeit gedacht waren, findet sich oft der Rückgriff auf eine betont sachlich-äußerliche Darstellung des im Krieg Erlebten. So schilderte 1920 Georg Lang, Leutnant des Amberger bayerischen 6. Infanterieregiments, den Einsatz seiner Kompanie in der Schlacht in Lothringen im August 1914 in vergleichsweise dürren Worten:

"Die Höhe zwischen Viviers und Faxe ist schwach besetzt; einzelne Erdhaufen verbergen schlecht den dahinter liegenden Schützen. Dagegen ist die Ortschaft Faxe wirksam zur Verteidigung eingerichtet. Die Schützen sind immer schwer sichtbar; hinter Gärten, hinter Mauern, auf Bäumen und hinter Hecken lauern sie auf ihre Beute. [...] Im Sturmschritt geht es das Höhenglacis hinan; da platzen über unseren Köpfen ein halbes Dutzend Schrapnells. Die Ladung sitzt hinter uns am Waldrand. Einige Leute werden getroffen. [...] Wir stürzen in wildem Knäuel in den Ort hinein und erreichen das erste Haus. Prasselnd schlägt uns M.G. Feuer entgegen. [...] Da schlägt dicht vor uns eine Granate in den Ort. Von rückwärts kommt der Ruf: 'Ortschaft räumen. Eigene Artillerie schießt den Ort in Brand.' Schweren Herzens verlassen wir den Ort und setzen uns dicht am Ostausgang fest. Die feindliche Artillerie nimmt uns unter Feuer. Zum ersten Male fühlen wir, daß es angenehmer ist zu stürmen, denn als wehrlose Scheibe dazuliegen."

(Georg Lang, Das bayerische 6. Infanterieregiment im Weltkrieg).
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