Ein Wäschekorb voll Tatendrang

Der längste Teppich der Welt lag am 15. September 2002 in Amberg. 2000 Leute strickten dafür insgesamt 27.000 Stücke. Trotzdem gab es keinen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde. "Zu schmal" hieß es von den Verantwortlichen. Das Mega-Strickwerk hätte als Läufer tituliert werden sollen. Archivbild: hfz

Der längste Teppich der Welt - wer erinnert sich? Vor zwölf Jahren wurde das Mega-Strickwerk in Amberg entrollt. Was ist daraus geworden? Schaffte es das Teil tatsächlich ins Guinness-Buch der Rekorde? Die AZ begibt sich auf Spurensuche. Sie führt zu einem Wäschekorb.

Er war über eineinhalb Kilometer lang, genau 1534 Meter. Über 2000 Leute strickten daran, insgesamt 27 000 Teile, eine Dame aus einem Seniorenheim allein sogar über 300. Am 15. September 2002 entrollten Emilie Leithäuser und zahlreiche Helfer von der Park- und Werbegemeinschaft (PWG) den ihren Angaben nach längsten Teppich der Welt von der Deprag über die Fußgängerzone hinauf zum Malteserplatz und in einer Schleife über die B 85 ein kleines Stück zurück. "Das war eine irre Aktion", erinnert sich Emilie Leithäuser. Was ist mit Ambergs längsten Teppich der Welt passiert? Heute noch sind einige wenige Teile des Mega-Strickwerks übrig. Eines davon hängt in einem Rahmen in ihrem Treppenhaus im Münzinger Hof. Der Rest passt in einen Wäschekorb, den die 72-Jährige aufbewahrt.

Von Motten zerfressen

Von 27 000 Stücken à einen Quadratmeter gibt es zwölf Jahre danach noch 40. Der Großteil sei für einen guten Zweck verkauft worden. Immerhin 10 000 Euro kamen dabei zusammen, sagt die Steuerberaterin, bei der damals die organisatorischen Fäden zusammenliefen. Später kamen über einen weiteren Stapel noch die Motten, so dass er weggeworfen werden musste. Und beim Ostbayerischen Faschingszug sei etwas Teppich als Deko für den Bulldog verwendet worden. Die Idee zu der überdimensionalen Handarbeit stammte von Irmgard Buschhausen. Emilie Leithäuser lacht aus vollem Halse. Gerade erinnert sie sich an die Werbe-Aktionen. Zum Beispiel an das 24-Stunden-Stricken: "Wir saßen im Foyer des Rathauses von Freitagmittag, 12 Uhr, bis Samstagmittag, 12.30 Uhr." Das Schlimmste sei gewesen, als um 5 Uhr morgens der Brunnen zu plätschern begann. "Wir mussten dringend auf's Klo. Strickend ging ich dann die Treppen zum WC hinauf und wurde auch noch gestützt, weil ich damals gehbehindert war. Das war eine Schau."

Oder die Sache mit der Lagerung: Erst habe Leithäusers Tochter ihr Geschäft zur Verfügung gestellt, dann musste der Laden nebenan noch angemietet werden. Zwischenzeitlich befanden sich hohe Stapel in ihrem Wohnzimmer. "Die zwei Türme waren größer als ich und obendrauf saßen meine Katzen. Wie Prinzessinnen." Und zum Start der Werbe-Aktion seien sie mit einem Cabrio durch die Fußgängerzone gefahren. Im Auto einige der Strickerinnen, auf der Motorhaube Teile des Teppichs. "Wie Idioten sind wir hupend rumgefahren, wie in einem Brautauto." Emilie Leithäuser schlägt heute noch lachend die Hände über den Kopf zusammen.

Und dann am Ende der Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde? "Nein. Wir hatten das als längsten Teppich tituliert. Aber die Verantwortlichen empfanden die Breite als zu gering. Hätten wir Läufer dazu gesagt, dann wäre es vermutlich gegangen." Enttäuscht war damals trotzdem niemand. "Wir wussten, was wir geleistet hatten, und wir wussten, dass es trotzdem ein Rekord war." Heute noch ist sie ihrem Personal dankbar, "denn ohne sie hätte ich das nicht organisieren können".

Noch Dachziegel daheim

Der längste Teppich der Welt sei - zusammen mit dem Verkauf der alten Dachziegel von St. Martin - die größte Aktion gewesen. Ideen hätte sie schon noch. "Ich hätte beispielsweise gerne die Stadtmauer eingepackt. Rundherum mit einer Schleife, zusammengesetzt aus verschiedenen Teilen." Aber das sei ihr mittlerweile zu viel Aufwand. Steuerbüro und ihre Arbeit als FDP-Stadträtin würden sie genug fordern. Von den Dachziegeln gibt's übrigens auch noch ein paar. Sie liegen auch in Emilie Leithäusers Wohnzimmer.
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