Einbrecher packt aus - Es geht um Marihuana und Crystal
Der "singende" Fremdenlegionär

Vor wenigen Wochen wurden in Schwandorf zwei Männer kontrolliert, die 50 Gramm Crystal Speed dabei hatten. Was sich daraus lawinenartig entwickelte, spielte nun eine Rolle, als vor dem Amberger Landgericht die Verhandlung gegen einen aus Ungarn stammenden Einbrecher angesetzt war. Denn der Mann begann plötzlich zu "singen".

Reiner Zufall. Der 32-jährige Ungar, ein ehemaliger Fremdenlegionär mit Zweimeter-Gardemaß, sitzt seit letztem Jahr in Amberger U-Haft. Dort traf er in einer Gemeinschaftszelle mit einem Schwandorfer zusammen, der ihm dann wohl einiges erzählte. Das tat der Ahnungslose offenbar, weil er nie im Leben damit rechnete, dass sein Zellengenosse entgegen sonstiger Knacki-Gepflogenheiten "auspacken" und die Kripo zu sich zitieren würde.

Spitze eines Eisbergs

Im März dieses Jahres hatte es eine Polizeikontrolle gegeben. Dabei wurden zwei Männer gestoppt, die 50 Gramm Crystal Speed mit sich führten. Das reicht, wie sich erst kürzlich zeigte, bei hiesigen Gerichten für mindestens drei Jahre Knast. Einer wurde festgenommen und kam tags darauf in U-Haft. Der zweite flüchtete. Auch er aber ist zwischenzeitlich dingfest gemacht und befindet sich im Gewahrsam der Behörden.

Die 50 Gramm Crystal Speed sollen nur die Spitze eines Eisberges sein. Denn mutmaßlich geht es, wie nun die gegen den Ungarn verhandelnde Erste Strafkammer des Amberger Landgerichts erfuhr, um mehrere Pfund Marihuana und etliche hundert Gramm Crystal Speed, die von den Männern aus Schwandorf von einem tschechischen Lieferanten in Empfang genommen und verhökert worden sein sollen. Das wissen Drogenfahnder aus einem zwischenzeitlich offenbar vorliegenden Geständnis von einem der Beschuldigten. Sie hörten dazu aber auch Details von dem 32-jährigen Ungarn.

Hilfreiches Angebot

"Ich kann noch mehr sagen", erbot sich der aussagebereite Ungar während des Prozesses. Daraufhin wurde die Verhandlung für nahezu eine halbe Stunde unterbrochen. Der 32-Jährige zog sich zusammen mit einem Drogenfahnder in einen Nebenraum zurück und wurde dabei dem Anschein nach noch deutlicher. "Sicherlich hilfreich", beschrieb der Kripobeamte seine Eindrücke, als das Verfahren im Gerichtssaal fortgesetzt wurde.

Seine Angaben wurden dem Angeklagten später mildernd angerechnet. Dabei ging es allerdings keineswegs um Rauschgift. Der als Gewohnheitsverbrecher geltende Mann hatte im November 2013 in Sulzbach-Rosenberg einen Einbruch in ein Kfz-Unternehmen verübt und dabei nahezu 130 Autoreifen samt Felgen erbeutet. Er bekam zwei Jahre und sieben Monate Gefängnis dafür. Das kümmerte ihn scheinbar wenig. Denn das Leben hinter Gittern ist er vermutlich gewohnt. Allein in Österreich hatte der 32-Jährige zusammen mit Komplizen über 200 000 Euro Einbruchsschaden angerichtet und war dafür vier Jahre eingesperrt worden.
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