Eine Geld-Frage

Nur wenn sich Eltern frei entscheiden können, erfüllt Familienpolitik ihren eigentlichen Zweck.

Vier der insgesamt 40 Stadträte in Amberg haben Kinder unter drei Jahren. Stehen parteipolitische Interessen hinten an, wenn es um die Familie geht? Welche Meinung vertreten die Betroffenen zum Betreuungsgeld? Unter den CSU- und SPD-Vertretern wird vor allem eines deutlich: Kinderbetreuung ist eine individuelle Angelegenheit.

Für die Amberger Zeitung äußerten sich Gabi Donhauser, Daniel Müller (beide CSU), Volker Binner und Simone Böhm-Donhauser (beide SPD).

Gabi Donhauser:

"Das Betreuungsgeld, finde ich, ist eine tolle Anerkennung für die geleistete Erziehungsarbeit zu Hause. Etwas kritischer sehe ich es allerdings von meiner pädagogischen Seite als Erzieherin. Gerade für Kinder aus einem sozial schwachen Umfeld ist die Kita oft ein wichtiger Stützpunkt in der Entwicklung. Bei der Betreuung sollte eben nicht das Geld im Vordergrund stehen. Auch die Träger hoffen natürlich, dass ihre meist neu gebauten Einrichtungen gefüllt sind."

Gabi Donhauser ist 35 Jahre, ihre Tochter Franziska zehn Monate. Die Erzieherin ist momentan in Elternzeit und wird bald das Betreuungsgeld beantragen.

Volker Binner:

"Der Sinn des Betreuungsgelds erschließt sich mir auch nach zwei Jahren nicht. Warum soll jemand neuerdings Geld dafür erhalten, wenn er sein Kind zu Hause erzieht? Der Staat baut das Angebot an Kitas mit Steuergeldern aus. Gleichzeitig zahlt er, wenn diese Einrichtungen nicht genutzt werden!? Gut ausgebildeten Frauen den Weg in den Arbeitsmarkt zu ebnen, sieht anders aus. Gleichzeitig beklagen wir den Fachkräftemangel, der durch das Betreuungsgeld subventioniert wird. Bei uns sind es zu 95 Prozent Frauen, die Betreuungsgeld beantragen. Volltreffer, wenn es darum geht, traditionelle Rollen aufrechtzuerhalten. Natürlich gibt es gute Argumente, sein Kind nicht mit einem Jahr in die Kita zu geben. Die Eltern sollten diesen Schritt aber individuell gehen. Mit einem Steuergeld-Zuckerl diese Entscheidung in eine Richtung zu beeinflussen, ist meiner Meinung nach der falsche Ansatz. Das Geld sollte lieber in die Erhöhung der Gehälter von Erziehern und Kinderpflegern gesteckt werden."

Volker Binner (37) ist Vater von drei Kindern: Flora (6), Viola (4) und Theo (2). Zwei davon besuchten im Alter von 1,5 und 2 Jahren die Kita, "und wir würden es wieder so machen".

Daniel Müller (CSU):

"Ich bin ein absoluter Befürworter des Betreuungsgeldes. Es bietet eine tolle Wahlmöglichkeit zur staatlich geförderten Kinderbetreuung. Wir sind eine Familie mit drei kleinen Kindern und haben uns ganz bewusst dafür entschieden, die ersten drei Lebensjahre intensiv unseren Kindern zu widmen. Meine Frau genießt diese Zeit in vollen Zügen, auch wenn sie sehr anstrengend und zeitintensiv ist.

Sicher wäre es oft die wesentlich leichtere Alternative, die Kinder in eine staatlich geförderte Fremdbetreuung zu geben. Deshalb finde ich, dass die Gesellschaft oft geneigt ist, die Erziehungsleistung dieser Frauen nicht entsprechend zu würdigen. 150 Euro Betreuungsgeld sind in diesem Fall sowieso nur eine kleine Anerkennung. Deswegen mein persönliches Fazit: Nur wenn sich Eltern frei entscheiden können, erfüllt Familienpolitik ihren eigentlichen Zweck.

Daniel Müller (35) ist Vater von Max (3), Luis (2) und Romy (sechs Monate).

Simone Böhm-Donhauser:

"Ja, ich bin entgegen der parteilichen Richtung der SPD für das Betreuungsgeld. Warum? Die ursprüngliche Diskussion der Gegner hieß ja einmal Kita-Plätze statt Betreuungsgeld. Ich habe jedoch nie verstanden, warum nicht beides möglich sein soll: eine ausreichende Anzahl an Kita-Plätzen von guter Qualität und Betreuungsgeld für Eltern, die dies nicht in Anspruch nehmen wollen. Politische Debatten, die das Privatleben in der Lebensführung diffamieren oder reglementieren, haben mir noch nie sonderlich gut gefallen. In Bezug auf die Herdprämie: Familiäre Erziehung als altbacken hinzustellen, verkennt die Stärke von Zivilgesellschaften völlig. Ich sage: "Der eigene Herd ist eventuell Gold wert." Somit soll jeder das Modell für die Erziehung seiner Kinder wählen, die er für richtig hält, ohne die Befürchtung zu haben, er lebe ein schlechteres Modell. Das Privatleben von Familien ist vielfältiger als es diese Debatte hergibt."

Die 38-Jährige ist Mutter von Jakob (11), Julia (8) und Johanna (3). Ihre beiden Jüngsten wurden in der Krippe betreut, und damit sei sie "sehr zufrieden" gewesen.
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