Eine Schule fürs Leben

Zum 100. Geburtstag der Landwirtschaftsschule, Abteilung Hauswirtschaft, zeigte die ehemalige Schulleiterin Edeltraud Gleißner die einstigen Arbeitsutensilien einer Hausfrau. Dieses Exemplar stammt von 1921 und befand sich im Besitz von Gleißners Großmutter: "Damit konnte man in die kleinsten Ecken bügeln." Bild: Steinbacher

Kochen, waschen, bügeln, putzen, einkaufen, Kinder versorgen - der Tagesablauf einer Hausfrau gleicht dem Management eines kleinen Unternehmens. Und oftmals geht die Dame des Hauses nebenbei auch noch einem Beruf nach. Wer sich hier richtig organisieren kann, ist schon mal auf dem besten Weg. Das zum Beispiel lernt man seit 100 Jahren in der Hauswirtschaftsschule.

Früher war natürlich der Hintergrund der Schülerinnen ein anderer. Damals stammten alle Absolventinnen aus der Landwirtschaft. Zum Teil mussten sie mit knapp 16 Jahren eine bis zu 20-köpfige Familie versorgen und alle anfallenden Arbeiten rund um Haus und Hof verrichten. Die Frauen, die vergangene Woche ihren Abschluss an der Hauswirtschaftsschule machten, haben kaum mehr einen landwirtschaftlichen Hintergrund. Sie streben auf die Meisterschule, möchten sich selbstständig machen oder eigene Produkte und Ideen vermarkten.

Zur 100-Jahr-Feier der Abteilung Hauswirtschaft hatten am Freitag der Leiter des Landwirtschaftsamtes, Willibald Götz, und Schulleiterin Ursula Eckl viele Ehemalige und Ehrengäste im Gebäude an der Hockermühlstraße 53 versammelt. Sie alle erzählten Anekdoten aus über 50 Jahren Schulgeschichte. Diese stellen wir in einem gesonderten Bericht in einer der nächsten Ausgaben vor. Götz betonte, dass die Schule eine "Bildung fürs Leben im wahrsten Sinne des Wortes" sei.

So aktuell wie nie sei die Einrichtung mittlerweile, Nachhaltigkeit, Selbstversorgung und richtiges Wirtschaften stünden im Vordergrund. "Die Leute wollen wieder selber was ausprobieren. Zum Beispiel das Brotbacken." Schulleiterin Ursula Eckl stellte die Ziele und einzelnen Fächer des Teilzeit-Studiengangs vor. Dazu gehört der Unterricht in Haushalts- und Finanzmanagement, Ernährungslehre, Unternehmensführung oder Hausgartenbau. Nach eineinhalb Jahren könne die Schule als Fachkraft für Ernährung und Haushaltsführung verlassen werden. Für einen kurzweiligen Rückblick sorgte Schulleiterin a. D. Edeltraud Gleißner, die fast 40 Jahre als Lehrkraft tätig war. Sie demonstrierte anschaulich, wie sich die Unterrichtsmaterialien verändert haben. Bis 1970 beispielsweise konnte der Stoff mit zwei Nachschlagewerken vermittelt werden: das "Bayerische Kochbuch" von Maria Hofmann und "Das Reich der Bäuerin" von Anna Renner.

Die ehemalige Schülerin Angela Siegert, heute Vertreterin des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung Amberg-Sulzbach (VLF), berichtete aus der Bildungsarbeit der Frauengruppe. Sie wünschte der Schule zum Geburtstag, dass auch weiterhin viele Frauen das Angebot annehmen, "zum Wohle der Familien in der Region".
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