Eine Situation wie nach dem Krieg

60 Jahre bei der IG Metall - dazu gratulierten 1. Bevollmächtigter Horst Ott (vorne rechts) und sein Stellvertreter Udo Fechtner (vorne links). Bilder: Steinbacher (3)

Die vielen Flüchtlinge beschäftigen die IG Metall. Doch auch sie habe kein Patentrezept für eine Lösung, betont der Amberger Bevollmächtigte Horst Ott und mahnt zugleich: "Mit unmenschlicher und inhumaner Abschreckung bekommt man das Problem aber nicht in den Griff."

Die Themen Flüchtlinge und Gewerkschaften gehörten zusammen. Darauf verwies Ott bei der Jubilarehrung im ACC. Dort sagte man 500 Mitgliedern dafür Dank, dass sie der IG Metall seit 60, 50, 40 oder 25 Jahren angehören.

Ott berichtete von vielen Gesprächen mit Jubilaren, in denen diese geäußert hätten, das die heutige Situation der nach dem Zweiten Weltkrieg ähnele, als Millionen von Flüchtlingen nach Deutschland kamen und in der Folge am Wiederaufbau beteiligt waren. Heute versuchten rechte Gruppen, Einheimische und Flüchtlinge gegeneinander auszuspielen. Das Gleiche werde aber auch von verschiedenen Unternehmen praktiziert, kritisierte Ott, die durch die Asylbewerberheime marschierten, um sich dort die qualifiziertesten Arbeitskräfte zu sichern. Für Ott wirft das die Frage auf: Was sollen sich Leiharbeiter denken, die seit Jahren darauf warten, in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernommen zu werden?

In Europa sicher

Nachgedacht werden müsse über die Ursachen, warum so viele Menschen ihre Heimat aufgeben und nach Europa und Deutschland kommen. Zum einen liege es daran, dass sie aus Kriegsgebieten fliehen, weil sie dort um ihr Leben fürchten. Zum anderen aber auch daran, dass sie sich in Europa sicher fühlen. Darauf könne man, auch als Gewerkschaften, stolz sein, sagte Ott. Denn für diesen wirtschaftlichen Erfolg hätten - trotz vieler Probleme in verschiedenen Betrieben, auch im Zuständigkeitsbereich der Verwaltungsstelle Amberg -, die Gewerkschaften mit gesorgt.

Globalisierung, neue Technologien, aber auch die steigenden Flüchtlingszahlen und die negativen Auswirkungen des Neokapitalismus stellten die Gesellschaft vor neue Herausforderungen, merkte Bürgermeisterin Brigitte Netta in ihrer Ansprache an. Diese Probleme könnten nur sozialverträglich gemeistert werden, wenn gewerkschaftliche Solidarität nicht nur national, sondern auch international funktioniert. Für die Jubilare sei Solidarität nicht nur ein Schlagwort gewesen, sondern der Schlüssel zum Erfolg. Diese Erfahrungen sollten an die jüngere Generation weitergegeben werden, um den sozialen Frieden in Deutschland und in Europa zu sichern.

Vieles, was man sich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts kaum vorstellen konnte - ob Arbeitszeitverkürzung, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder 30 Tage Urlaub -, habe nur durch gewerkschaftlichen Einsatz durchgesetzt werden können, hielt der Oberpfälzer DGB-Regionsgeschäftsführer Christian Dietl fest. Beispiel dafür sei sein Großvater, der 1915 dem Deutschen Holzarbeiterverband beigetreten war. Die Jubilare, die der Gewerkschaft über Jahrzehnte hinweg die Treue gehalten haben, seien entscheidend für den Erfolg gewesen. Um ihn für die Zukunft zu sichern, müsse dieser täglich verteidigt werden.

Gemeinsam erfolgreich

Die 500 Jubilare im ACC kämen zusammen auf 17 000 Jahre IG Metall, rechnete 2. Bevollmächtigter Udo Fechtner vor. Sie seien aus unterschiedlichen Beweggründen zur Gewerkschaft gegangen. Einige wurden mit Beginn der Ausbildung Mitglied, andere in Tarifkonflikten. Aber bei allen Jubilaren, so meinte Fechtner, dürfte die Einsicht vorgeherrscht haben, dass man gemeinsam viel mehr erreichen könne als allein.
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