Einstiges Traditionslokal passé

Über 150 Jahre hat die Kochkeller-Gaststätte auf dem Buckel. Vor allem der hintere Bereich, in dem die Bagger mit dem Abbruch begonnen haben, war nach Auskunft von Gebäudeeigentümer Anton Bruckmüller von der gleichnamigen Amberger Brauerei teils nicht mehr verkehrssicher. Deshalb erfol-ge der Abriss auch aus Sicherheitsgründen, ohne dass es bisher schon konkrete neue Pläne für das Areal gebe. Bild: Huber

"Am Kochkeller bleibt die Küche kalt": So titelte die AZ schon im Januar 2012, als die gleichnamige Gaststätte am Kochkellerberg ihre Pforten schloss. Nach fast vier Jahren Leerstand wird sie nun samt Nebengebäuden abgerissen. Damit verschwindet erneut ein einstiges Amberger Traditionswirtshaus.

Das bedauert auch Anton Bruckmüller, Chef der Brauerei in der Vilsstraße, die das Anwesen seit den 1960er Jahren besitzt. Ihm ist es nach 2012 nicht mehr gelungen, einen neuen Wirt zu finden. Schon zuvor war der Betrieb äußerst schwierig gewesen, hatte es zuletzt drei Pächterwechsel in rund drei Jahren gegeben. Außer dem einen oder anderen Verein, der dem Lokal meist ebenso aus Traditionsgründen die Treue gehalten hatte, kamen insgesamt zu wenig Besucher, als dass sich der Betrieb wirklich gelohnt hätte. Das lag neben der recht solitären Lage auch am Alter des Gebäudes, das über 150 Jahre auf dem Buckel hat.

Vor Koch Heindl-Garten

Um 1860 war es neu gebaut worden, wie Ambergs Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger weiß. Genauer gesagt beruft er sich mit seinen Kenntnissen auf den ehemaligen Amberger Heimatforscher August Klarmann, der von 1887 bis 1967 lebte und eine riesige "Zettelsammlung" überwiegend handschriftlicher Notizen anlegte über alles, was ihm in Amberg interessant schien. Auch die Gaststätte am Kochkeller ist darin vertreten, sogar mit Aufzeichnungen aus der Zeit vor dem Neubau 1860. Damals hatte der mindestens schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts existierende Vorgängerbau Heindl-Garten geheißen. Das ist durch die Ankündigung eines drohenden Konkurses im Amberger Wochenblatt von 1831 belegt, die Klarmann ebenfalls erfasste. In der Anzeige war das Anwesen mit einer Größe von drei Tagwerk Land, "teils Feld, teils Gartenbestand", beschrieben und als Besitzer Lorenz Heindl genannt worden.

Elf Jahre später am 20. Oktober 1842 wurde schließlich der Verkauf der Liegenschaft ausgeschrieben, die sehr stattlich war. Das Wochenblatt zählte neben vier Gastzimmern, Tanzsaal, einem Billardraum und einer Kegelbahn einen Felsen- und einen Weinkeller sowie Stallungen, unter anderem für Schweine, auf.

1851, nachdem der Verkauf längst über die Bühne gegangen war, hieß die Wirtschaft immer noch Heindl-Garten, wie aus Notizen Klarmanns über ein Kirwa- und ein Gartenfest samt Tanz- bzw. "Harmoniemusik" hervorgeht. Für den 25.5.1860 hielt der Chronist dann die "Bewilligung zum Bau eines neuen Brauhauses mit Braukonzession für Braunbier" (Vollbier) fest. Bauherr war der Käufer Joseph Koch. Zumindest mit diesen Plänen verschwand dann der Name des Vorbesitzers und Koch führte für seinen Braukeller die Bezeichnung Kochkeller-Wirtschaft ein.

Damals nicht unbedeutend

Mit Blick auf die lange Historie des Hauses und des Standorts als Lokal sowie viele gesellschaftliche Veranstaltungen, die hier über die Bühne gingen, war der Kochkeller laut Dr. Laschinger "kein unbedeutendes Wirtshaus". Im Gegenteil zählte es einst wohl zu den ersten Adressen in der Stadt. Jetzt gehört es nur mehr der Amberger Geschichte an.
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