Energiedialog paradox: Kein Gespräch mit Vertretern der Erneuerbaren
So verhindert man die Trassen

Siegfried Schröpf, Geschäftsführer von Grammer Solar, kritisiert die unehrliche Lobbypolitik: "Bevor Gabriels Reform überhaupt greifen konnte, hat man heute ein Guthaben von 3,8 Milliarden Euro auf dem EEG-Verrechnungskonto." Bild: Herda
 
Siegfried Schröpf, Geschäftsführer von Grammer Solar, kritisiert die unehrliche Lobbypolitik: "Bevor Gabriels Reform überhaupt greifen konnte, hat man heute ein Guthaben von 3,8 Milliarden Euro auf dem EEG-Verrechnungskonto." Bild: Herda

Der bayerische Energiedialog ist zu Ende. Die meisten Kommentatoren sind sich einig: Einziges Ergebnis der Veranstaltung ist, den Schwarzen Peter an den Bund weiterzureichen. Die Trassenfrage bleibt offen.

"Hätte die Staatsregierung diesen Dialog ernst gemeint, wäre das eine spannende Veranstaltung geworden", sagt Siegfried Schröpf, Geschäftsführer von Grammer Solar in Amberg. Einen Schritt vorwärts, zwei zurück, so sieht die deutsche Energiepolitik aus Sicht der Erzeuger regenerativer Energien derzeit aus. "Anstatt den erfolgreichen, angefangenen Weg zu Ende zu denken, hat man den Solarmarkt in Deutschland faktisch zum Erliegen gebracht", sagt Schröpf. Noch 2011 erwirtschaftete die Branche 20 Milliarden Euro, 2014 waren es nur noch zwei Milliarden Euro. "Das Marktvolumen ist um 90 Prozent eingebrochen." Dagegen seien die Klagen deutschen Russlandexporteure ein Jammern auf hohem Niveau: "Die Ukraine-Krise führte zu einem Rückgang um 15 Prozent - das ist schlimm genug."

Natürliche Verbündete

Dabei wären die Vertreter von Sonne, Wind & Co. Gewehr bei Fuß gestanden, um mit ihrer Leistungsfähigkeit die These Seehofers zu stützen, dass in Bayern keine zwei Trassen gebraucht würden. "Die konsequente Umsetzung einer dezentralen Energiewende würde beide Trassen überflüssig machen", weiß sich der Amberger auch einig mit OTH-Professor Markus Brautsch. Die Versorgungslücken nach dem Abschalten der AKWs ließen sich durch den Ausbau erneuerbarer Energiequellen, durch Gas- und durch Blockheizkraftwerke schließen. Und natürlich müssten die Potenziale beim Energiesparen genützt werden.

Unternehmen wie Grammer Solar wären eigentlich die natürlichen Verbündeten der Staatsregierung, wenn diese die bundesweite Kritik Lügen strafen und nachweisen wollte, dass Bayern tatsächlich das vorhandene Netz genügt. Denn anders als suggeriert, geht es keineswegs nur um den Transport des teuren Offshore-Windstroms von der Nordsee bis zu den Alpen: "Die Stromtrassen fördern ein zentralistisches Stromversorgungssystem, über das europaweiter Strom verfügbar wird", kritisiert Schröpf. Ein pikantes Detail dabei: "Die privaten Netzbetreiber erhalten für ihr Investment eine Garantierendite von neun Prozent - davon können Sparer und Anleger in Europa nur träumen."

Hoffnung macht dem Solar-Überzeugungstäter, dass viele Politiker in der Region inzwischen die Lobbypropaganda durchschauten. Die Verteufelung der EEG-Umlage sei vor allem Interessen gesteuert. "Bevor Gabriels Reform überhaupt greifen konnte, hat man heute ein Guthaben von 3,8 Milliarden Euro auf dem EEG-Verrechnungskonto, weil die Umlage zu hoch ausgefallen ist." Wie der Spiegel kürzlich berichtete, hätte selbst ein massiver Ausbau der Solarenergie die EEG-Umlage keinesfalls durch die Decke schießen lassen. "Nach Berechnungen des Fraunhofer Instituts hätte selbst eine Verdoppelung der Solarenergie kaum mehr Einfluss auf die Umlage."

Mit Sorge beobachtet Umweltschützer Schröpf die widersprüchlichen Signale, die die Politik beim Thema Fracking aussendet. "Wenn ich mir vorstelle, dass wir die Gefährdung unseres Grundwassers von den Skrupeln einer britischen, börsennotierten Firma abhängig machen, ist das keine beruhigende Nachricht." Rose Petrol bekam eine Lizenz zugesprochen, die Eignung des Weidener Beckens zu erkunden (siehe eigener Artikel unten).

Unabhängig ohne Fracking

Ironischerweise hat der Ausbau der umstrittenen Fördermethode in den USA, bei der Chemikalien in den Erdboden gepumpt werden, zu einem Preissturz beim Öl geführt. Offenbar möchte die Opec durch Aufrechterhaltung der Fördermenge bei leicht gesunkener Nachfrage Fracking unrentabel machen. "Es gibt ein Argument für das Fracking", sagt Schröpf, "nämlich das Motiv, die Energieversorgung unabhängiger zu gestalten. Das könnte man mit regenerativen Energien günstiger und garantiert ohne Umweltschäden haben."
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