Engelszungen sollen's richten

Der Ammerthaler Trinkwasser-Streit ist offiziell vorbei. Er hat jedoch viele Gesichter und lässt sich immer wieder blicken. Etwa vor dem Arbeitsgericht.

(zm) Bereits zum dritten Mal saßen sich dort Bürgermeisterin Alexandra Sitter-Czarnec und der ehemalige Wasserwart gegenüber. Deshalb hat sich inzwischen auch der für Amberg zuständige Arbeitsrichter Jürgen Sturm schon ein recht genaues Bild über die schillernden Besonderheiten des lokalpolitischen Lebens in der 2100-Einwohner-Gemeinde machen können. Der jetzige Kläger spielte zeitweise darin eine tragende Rolle.

Mit der so heftig umstrittenen und noch heftiger bekämpften Auflösung des einstigen Ammerthaler Trinkwasser-Zweckverbandes wechselte automatisch dessen einziger Bediensteter zur Gemeinde. Das Arbeitsverhältnis stand erwartungsgemäß angesichts der vorausgegangenen Streitereien jedoch unter keinem guten Stern, so dass sich beide Seiten schnell trennen wollten. In dieser Phase flog plötzlich auf - ein entsprechender Strafbefehl wurde akzeptiert-, dass der Wasserwart unerlaubt brisante Gespräche aufgezeichnet hatte. Das beschleunigte nur noch die Trennung, und schon damals redete das Arbeitsgericht ein Wörtchen mit. Nun musste es erneut ran.

Urlaub falsch verrechnet

Denn der zuvor praktisch unkündbare Gemeindebedienstete fand heraus, dass bei der Abgeltung von Urlaubsansprüchen für die Jahre 2013 und 2014 gravierende Fehler gemacht wurden. Um sich möglichst nicht mehr über den Weg laufen zu müssen, waren unter anderem Urlaubstage in Überstunden umgewandelt worden, um sie so aus der Welt zu schaffen. Das geht aber nicht, hatte das Arbeitsgericht schon bei einem Gütetermin im August klar und deutlich zu erkennen gegeben. Dennoch kam keine Einigung zustande.

Einen Vergleichsvorschlag des Gerichts, zu dem die Bürgermeisterin damals bereit gewesen wäre, lehnte der Kläger ab. Im jetzigen Hauptverfahren hatte sich aus der Sicht der Kammer nichts an dieser Konstellation geändert. Sturm legte deshalb dar, dass er bei einem Urteil der Klage stattgeben werde. Parallel appellierte der Richter immer eindringlicher, doch bitte die Emotionen aus der sehr persönliche Züge annehmenden Auseinandersetzung herauszunehmen und den Streit endgültig zu befrieden und beizulegen.

Doch wie? Der Kläger witterte die Morgenluft eines Urteils in seinem Sinne, umgerechnet würde das für ihn knapp 4700 Euro brutto ausmachen, ließ er seine Anwältin vorrechnen. Die Gemeinde hielt dagegen, dass in die Überstunden-Verrechnung unter Umständen Zeiten eingegangen seien, die so seitens des Klägers nicht eindeutig nachgewiesen werden könnten. Also drängte sich weiterhin eher ein Vergleich, als eine gerichtliche Entscheidung auf.

Kann noch platzen

Sturms Engelszungen zeigten doch noch Wirkung und beide Parteien folgten seinem Vorschlag zu einer Einigung ohne Urteil. Demnach soll der Wasserwart noch 3500 Euro brutto als Abgeltung bestehender Urlaubsansprüche bekommen. Beide Seiten haben diesen Vorschlag unter den Vorbehalt einer Widerspruchsfrist gestellt, wobei die Bürgermeisterin zudem ihre Zustimmung von einem entsprechenden Gemeinderatsbeschluss abhängig machte. Vor dieser Sitzung am Mittwoch, 9. Dezember, ist dieses Kapitel des Trinkwasser-Streits noch nicht beendet.
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