Ensemble "Dombert's Urban Jazz" zu Gast im Amberger Casino-Saal
Musikalischer Computer

Ein abgedunkelter Raum, rot-blaue Farb-Projektionen über der Bühne - das Ambiente im Casino-Saal in Amberg entspricht auf ideale Weise Andreas Domberts Vorstellungen, um seine Musik adäquat umzusetzen. Mit klassisch gefärbten Gitarrenklängen beginnt der Abend, Geräusche vom Computer klinken sich ein, die Klänge verschmelzen. Ein ungewöhnlicher Dialog gegensätzlicher Klangwelten entwickelt sich.

"Wir möchten mit unserer Musik Emotionen und Gefühle vertonen", erläutert Dombert, und dazu hat er sich kompetente Mitstreiter auserkoren. Peter Sandner, der Mann am Computer, ist von Anfang an dabei. Er entlockt seinem "Instrument" Klänge, die man kaum mit Musik verbindet. Da gurgelt und piepst, da knistert, knackt und brummt es, Klangcollagen und rhythmische Ostinatofiguren verbinden sich auf geheimnisvolle Weise mit den analogen Instrumenten, wobei diese Klänge oft auch zu dominant werden. Das Material für seine Klanginstallationen holt er sich überall: ein übersteuerter Transistor, Holzstücke, Stimmen, oder Wind werden verfremdet. In einer "Solo-Improvisation" demonstriert Sandner seine Arbeitsweise mit Klängen, die er erst kurz vorher im Saal aufgezeichnet hat. Den Kontrabass bedient Henning Sieverts. Er zählt zu den ausdrucksstärksten Vertretern seines Instruments. Sein warmer Klang kontrastiert zur Elektronik und gibt dem Ensemble ein humanes Gesicht. Der in Hannover ansässige Schlagzeuger Matthias Meusel sorgt für den Grundbeat, hat es aber nicht immer leicht, gegen die Patterns aus dem Computer anzuspielen. Seine Becken und Trommeln werden am Mischpult oft zu verfremdet, Feinheiten bleiben leicht auf der Strecke. Auch Johannes Enders, der Tenorsaxofonist aus Weilheim, ist ein Wanderer zwischen allen Klangwelten. Er hat sich einen Namen als hervorragender Solist gemacht, bei "Dombert's Urban Jazz" erweist er sich als einfühlsames Mitglied. Da werden vertrackte Themen unisono mit der Gitarre gespielt, aber auch Hall- und Echoeffekte genussvoll eingesetzt.

Den Gesamtsound aber prägt Dombert mit seiner Gitarre. Er setzt auf den "klassischen" Klang der modernen Jazzgitarre, ist ein hervorragender Techniker und steuert die meisten Kompositionen und Arrangements bei. Sein glasklarer und virtuoser Stil schwebt souverän über allen Klangkaskaden und Geräuschorgien. Domberts Rechnung geht auf: Es gelingt ihm, Gefühle und Emotionen beim Publikum zu wecken. Einen nicht unwesentlichen Beitrag leisten dabei auch Ralf Oberleitners Lichtinstallationen. Seine auf die Bühne projizierten Farb- und Bewegungsabläufe sorgen für ein Erlebnis. In den nächsten Tagen finden die CD-Aufnahmen des Programms statt. Man darf gespannt sein!
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