Entlohnte Ehrenämter aus der Sicht des Fiskus - Pauschalen sollen Handhabung möglichst einfach ...
Das Finanzamt redet auf jeden Fall mit

So vielfältig sich Ehrenämter offenbaren, so unterschiedlich ist deren Entlohnung. Sie reicht vom schlichten Vergelt's Gott über Übungsleiter-Zuschüsse bis zu respektablen Aufwandsentschädigungen. Wie der Fiskus das sieht, darüber sprach die Amberger Zeitung mit dem Leiter des hiesigen Finanzamts, Friedbert Seidel:

Herr Seidel, wo fängt für das Finanzamt ein Ehrenamt an, wo hört es auf?

Seidel: Ehrenamt ist eine Tätigkeit im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements, bei der wirtschaftliche Interessen nicht im Vordergrund stehen.

Heißt das, dass jeder, unabhängig von seinem Einkommen, als ehrenamtlich Tätiger diese Beträge entgegennehmen kann, ohne dass es Ihr Haus interessiert?

Seidel: Sobald Vergütungen bezahlt werden, interessiert sich das Finanzamt dafür. Ob die Bezüge zu versteuern sind oder aber steuerfrei bleiben, ist eine andere Frage.

In der Steuererklärung angeben muss der Betreffende diese Beträge aber schon?

Seidel:Jeder Steuerbürger ist grundsätzlich gesetzlich verpflichtet, seine gesamten Einnahmen in seiner Steuererklärung anzugeben. Dies betrifft auch die Einnahmen aus einer ehrenamtlichen Tätigkeit, für die aber steuerliche Entlastungen in Form der Ehrenamtspauschale (720 Euro pro Jahr) oder des Übungsleiterfreibetrages (2400 Euro) gewährt werden.

Wie sieht das nun bei Ehrenämtern aus, die deutlich über den Freibeträgen liegen? Etwa bei kommunalpolitischen Mandaten wie Verwaltungsratsposten oder als nicht hauptamtlicher Bürgermeister.

Seidel:Die steuerliche Behandlung dieser Einnahmen ist weitaus differenzierter zu betrachten. Hier wird unter anderem unterschieden, um welche Art des Vertretungsorgans es sich handelt. Zum Beispiel ob es das Amt eines 1. Bürgermeisters, eines weiteren Bürgermeisters oder etwa eines Landrats ist. Außerdem ist die Größe der Kommune zu berücksichtigen und ob es sich um Vertreter kreisfreier oder kreisangehöriger Kommunen handelt. So werden die gezahlten Entschädigungen nach der Gemeindeordnung beziehungsweise der Verdienstausfall anders behandelt, als etwa gezahlte Reisekostenvergütungen, Aufwandsentschädigungen oder Sitzungsgelder.

Wenn ein nebenamtlicher Bürgermeister beispielsweise gar kein anderes Einkommen hat, ist er dann aus Sicht des Finanzamtes überhaupt noch ehrenamtlich tätig?

Seidel: Ein nebenamtlicher Bürgermeister ist grundsätzlich ehrenamtlich tätig. Die Höhe seiner übrigen Einkünfte hat auf die Einordnung als ehrenamtlich Tätiger keinen Einfluss; die steuerliche Behandlung ist jedoch anders.

Ab welchen Beträgen muss die Stelle, die ein Ehrenamt entlohnt - etwa ein Verein, oder eine Kommune -, Sozialabgaben zahlen?

Seidel: Mit Fragen zur Sozialversicherungspflicht und der Höhe von Sozialabgaben ist das Finanzamt nicht befasst. Hierfür sind die Sozialversicherungsträger zuständig.

Wenn Ihr Haus Verstöße gegen die geltenden Regelungen feststellt, ist das gleich eine Straftat oder lässt sich das etwa durch Nachzahlungen regulieren?

Seidel:Für ehrenamtlich Tätige gelten im Steuerrecht die gleichen Regelungen wie für alle anderen Steuerpflichtigen. Verstöße gegen steuerrechtliche Vorgaben sind nach den Straf- und Bußgeldvorschriften zu beurteilen.

Viele Vereine beklagen, immer weniger Leute für die Wahrnehmung eines Ehrenamtes gewinnen zu können. Das würde bedeuten, dass die Finanzämter immer weniger damit zu tun hätten. Trifft das zu?

Seidel:In den vergangenen Jahren ist feststellbar, dass sich die Vereinsstruktur - was den Satzungszweck der Vereine betrifft - in unserem Zuständigkeitsbereich verändert. Neben dem herkömmlichen, traditionellen Verein stehen immer mehr Vereine im Vordergrund, die Zwecke des Umweltschutzes und dergleichen verfolgen. Waren 2010 beim Finanzamt für den Bereich Amberg und Neumarkt 1784 Vereine gemeldet, so sind es derzeit 1850.
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