Entzug als eine letzte Chance

Um ein verpfuschtes Leben ging es, nämlich um das von Olga (Name geändert). Nichtsdestotrotz muss die 30-Jährige ins Gefängnis, für drei Jahre und sechs Monate. Ein zusätzlich angeordneter Entzug ist wohl ihre letzte Chance.

Verurteilt wurde die Frau von der 1. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Landgerichts-Vizepräsidentin Roswitha Stöber wegen des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Nach der Verhandlung kam sie zurück in die JVA Regensburg, wo sie seit Februar 2015 in Untersuchungshaft ist.

Die von Mayumi Weinmann aus Regensburg verteidigte Angeklagte nahm das Urteil an. Da es somit rechtskräftig ist, kann sie sehr rasch einen Entzug antreten. Schon acht bis neunmal versuchte die Frau nach eigenen Angaben eine Entgiftung, zwei Mal davon in der Ukraine. Jeden Entzug habe sie abgebrochen, sei immer wieder rückfällig geworden. "Es bleibt zu hoffen, dass Sie diese Therapie jetzt durchhalten", sagte Roswitha Stöber am Ende der Verhandlung.

Horrender Tagesbedarf

Als 13-Jährige war die Angeklagte 1998 mit ihren Eltern aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Sie konsumierte erst Wodka und Haschisch später dann Crystal, Heroin (geschnupft und intravenös), Opiate zunächst an Wochenenden, später immer häufiger. Sie brach eine Ausbildung ab, erlernte keinen Beruf, bekam zwei Söhne ("die hat mir 2010 das Jugendamt weggenommen).

Eine Lebensplanung hatte sie nicht, sagte die an Hepatitis C erkrankte Drogenabhängige. Eine Methadon-Ersatzbehandlung sei ohne Wirkung geblieben, ihren gleichzeitigen Heroin-Konsum habe der Arzt nicht bemerkt. "Ich habe den Urin gefälscht", sagte die Angeklagte vor Gericht. Bis zu ihrer Festnahme hatte sie einen horrenden Tagesbedarf an Heroin - fünf bis sechs Gramm, beinahe stündlich habe sie sich die Droge injiziert. Die Polizei observierte sie am 16. Februar nach einem Heroinkauf und stoppte sie um 19.15 Uhr am Amberger Bahnhof.

In ihrer Unterwäsche hatte sie zwei Clip-Tütchen Heroin versteckt, knapp 60 Gramm, bestimmt zum Weiterverkauf, um ihren Eigenbedarf zu finanzieren. Staatsanwalt Tobias Kinzler, der eine Haftstrafe von vier Jahren als schuldangemessen hielt, sagte, das Heroin hatte laut chemisch-toxikologischen Untersuchung, einen Wirkstoffgehalt von 47 Prozent Hydrochlorid. Dabei handelte es sich um eine außergewöhnlich hohe Konzentration, das Heroin sei entsprechend hochwertig gewesen. Die Ermittlungen ergaben, dass die Frau ihrem Dealer, gegen den gesondert verhandelt wurde, pro Gramm 30 Euro bezahlt. Als Preis für den Weiterverkauf seien 100 Euro vorgesehen gewesen. 200 Straßenpäckchen Heroin hätten sich mit der sichergestellten Menge herstellen lassen, so der Staatsanwalt. Die Angeklagte hatte dies zugegeben, freilich nur das eingeräumt, was ohnehin nicht mehr abzustreiten war, ohne weitere mögliche Hintermänner zu nennen. Untersuchte Haarproben und Blutentnahmen bestätigten den Konsum von Betäubungsmitteln, in der Wohnung der 30-Jährigen fanden sich geringe Mengen Heroin.

"Das war die Hölle"

Als sie im Februar vorläufig festgenommen wurde und in U-Haft kam, war sie bereits 15 Jahre drogenabhängig. Sie wurde medikamentös behandelt, "der kalte Entzug war die Hölle dort", gestand sie. Nicht in einer Entziehungsanstalt behandelt zu werden, würde ein hohes Rückfallrisiko bergen. Rund 18 Monate werde sie in einer entsprechenden Einrichtung sein müssen, wie Sachverständige Dr. Gunda Wunder-Lippert aus Nürnberg ausführte.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.