Erfolgreiche Verwirr-Taktik

Der beste Amberger an diesem Tag, Dominik Böhmer, sorgte mit seinem Punkt zum 10:9 für die erste Führung von Bushido. Bild: ref

Der Favorit wankt, fast alles läuft gegen den Tabellenzweiten Bushido Amberg. Doch mit einer flammenden Kabinenansprache und einer äußerst ungewöhnlichen Aufstellung im zweiten Durchgang entfacht Trainer Rainer Druschba wieder den besonderen Teamgeist.

Diesen Kampf werden die Amberger so schnell nicht vergessen. Die Lenggrieser auch nicht. Am fünften Kampftag der Judo-Bayernliga lagen die Oberbayern zur Halbzeit gegen den großen Favoriten aus der Oberpfalz mit 6:4 vorne, waren bis zum 9:9 gleichauf, ehe der Tabellenzweite dann doch mit 11:9 das bessere Ende für sich hatte.

Sokolov muss aufgeben

Trotz der kurzfristigen Absagen der Stammkämpfer Salim Kasabaki und Yannick Himmelspach fuhren die Amberger zuversichtlich zum Aufsteiger. Dort lief dann aber im ersten Durchgang beinahe alles schief. Im Kampf bis 90 kg führte Vinzenz Dotzler souverän gegen Benedikt Hart, verlor buchstäblich in der letzten Sekunde durch einen Konzentrationsfehler. Im Schwergewicht verlor Justin Hofmann nicht unerwartet gegen den starken Kilian Brandhofer. Anschließend verletzte sich der ins Schwergewicht aufgerückte Amberger Pavel Sokolov schwer an der Schulter und musste aufgeben.

Bis 81 kg fand Konstantin Ustinov gegen Sebastian Brandhofer nicht in den Kampf und verlor vorzeitig. Einzig Friedemann Schneider punktete gegen Fabian Zabka für die Gäste. Georg Schneider holte dann einen souveränen Sieg, doch Moritz Schwob unterlag nach gutem Kampf gegen den favorisierten Alex Bauhofer. Dominic Schmidt stellte gegen Rauchenberger wieder den Anschluss her.

Die Amberger erwarteten nun, dass mit den zwei starken Leichtgewichtlern in der Hinterhand zur Halbzeit wenigstens noch das Unentschieden geholt werden würde. Doch zur Überraschung aller unterlag Damian Popiel gegen Nicolai Bittmann nach Punkten. Und so war es dann schon extrem wichtig, dass Dominik Böhmer gegen Pöckl kurzen Prozess machte und den Punkt zum 4:6-Halbzeitstand holte.

In der Pause diskutierten die Amberger, wie man das Ruder noch herumreißen könnte. Das Ergebnis war die wohl ungewöhnlichste Aufstellung, mit der Amberg bisher je antrat. Trainer Rainer Druschba stellte sechs (!) Kämpfer in höheren Gewichtsklassen auf, um die Lenggrieser vor für sie überraschende Aufgaben zu stellen. Diese Taktik und die flammende Kabinenansprache stachelten die Amberger so richtig an. Entscheidend sollte bei der Aufholjagd der erste Kampf in Durchgang zwei werden: Konstantin Ustinov besiegte bis 90 kg den körperlich extrem starken Hart durch einen taktisch extrem gut geführten Kampf mit 4:3 Strafen. Das war das Signal für die Amberger!

Zwar verlor Kapitän Philipp Piesche gegen Sälzer, doch dann holten die beiden 90er-Kämpfer Schneider und Dotzler im Schwergewicht die Punkte zum 7:7-Ausgleich. Die Halle glich nun einem Hexenkessel, wobei die Amberger psychologisch mehr und mehr die Oberhand gewannen. Zwar verlor bis 81 kg Georg Schneider gegen Brandhofer, doch Dominik Schmidt glich postwendend zum 8:8 aus. Das gleiche Spiel bis 73 kg: Niederlage für Marcus Weingandt, Sieg für Moritz Schwob. Ausgleich 9:9.

Überragender Böhmer

Die Entscheidung musste im Leichtgewicht fallen. Den Anfang machte der an diesem Tag beste Amberger, Dominik Böhmer. Gegen Nicolai Bittmann zeigte er volle fünf Minuten konsequentes Angriffsjudo, ließ sich auch von den unfairen Bodenaktionen des Gegners nicht ablenken und holte nach voller Kampfzeit den vorentscheidenden Punkt zum 10:9, der ersten Amberger Führung.

Damian Popiel war es dann vorbehalten, den Sieg unter Dach und Fach zu bringen. Gegen Marcus Pöckl hatte er wenig Schwierigkeiten, nach 24 Sekunden war der Kampf gewonnen.
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