Erich Schmid war 35, als er an Multipler Sklerose erkrankte. Mittlerweile ist er 55 Jahre alt und ein Rund-um-die-Uhr-Pflegefall. Seine Frau Kornelia kümmert sich, gab ihren Job auf und stößt allmählich an ihre Grenzen. Darum kämpft sie auch für einen Pflegestützpunkt, wie es ihn in Franken gibt.
Ohne Stützpunkt meist hilflos

Nicht aber in der Oberpfalz, geschweige denn in Amberg.

Amberg. (tk) Kornelia Schmid muss ihre ganze Kraft aufbringen, um ihren Mann vom Rollstuhl aus in den Fernsehsessel zu hieven. Auf diese Hilfe kann sich Erich Schmid täglich verlassen. Ansonsten aber fühlt sich das Ehepaar seit Jahren oft alleingelassen, weil es keine zentrale Anlaufstelle für pflegende Angehörige gibt.

Mindestens 80 000 Euro

Wann und wie viel bezahlen Kranken- und Pflegekasse? Wie komme ich an einen Rollstuhl und ein Patientenbett? Welche Zuschüsse gibt es für den behindertengerechten Umbau des Hauses? Wird ein Familienmitglied zum Pflegefall, stellen sich noch viele weitere Fragen, die anderenorts an einem Pflegestützpunkt beantwortet werden. Diese Einrichtungen werden laut Schmid für rund 80 000 bis 100 000 Euro im Jahr zu gleichen Teilen von den Kommunen und den Kassen finanziert. Genau darin sieht Schmid das Problem: "Das ist so ein Mischprodukt. Es gibt keine klaren Zuständigkeiten." Doch das dürfe für die pflegenden Angehörigen nicht zum Nachteil werden, denn sie haben es ohnehin schon schwer genug, sagt Hanni Schertl aus Reisach (Vilseck), deren Mann ebenfalls das komplette Betreuungsangebot benötigt. Die Gattin wird zur Pflegerin: "Wenn wir bezahlt werden müssten, könnte sich das keiner leisten." Und noch etwas: Die vom Gesetzgeber gewährte Pflege-Auszeit betrage gerade einmal zehn Tage. "Zu wenig", empfindet Schmid. Ein Stützpunkt könnte rasch und kostenlos für Ausgleich sorgen.

Heute in München

Ans Aufgeben denkt Kornelia Schmid nicht. Sie schrieb an zehn verschiedene Politiker, von Landrat Richard Reisinger bis Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig. Die Antworten seien durch die Bank nicht befriedigend gewesen. Darum startete die Gailoherin im August des Vorjahres eine bis Freitag, 27. Februar, laufende Petition und hat bereits 1500 Unterschriften beisammen.

Damit nicht genug: Heute fahren Schmid und Schertl nach München, wo ein Netzwerk für pflegende Angehörige geschaffen werden soll. Mit dabei ist CSU-Landtagsabgeordneter Bernhard Seidenath (Dachau), der den Ausschüssen für Familie, Arbeit und Soziales angehört. Kornelia Schmid: "Wir werden da auf jeden Fall für die Pflegestützpunkte kämpfen. Damit der Landtag den Geldbeutel aufmacht und die Kommunen bezuschusst." (Angemerkt)
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.