Eröffnung der Sonderausstellung "Adventskalender - Zeitmesser der Vorweihnachtszeit"
Kulturgut gewordene Ungeduld

Als hätten sie es selbst nicht mehr erwarten können. Ganz so, wie in vielen netten Erinnerungen. "Ein bisschen sehr früh", ließ selbst Stadtmuseumsleiterin Judith von Rauchbauer einfließen, wurde am Donnerstagabend die Sonderausstellung "Adventskalender - Zeitmesser der Vorweihnachtszeit" eröffnet. Aber erwartungsvolle Ungeduld, das war auch einer der Ursprünge dieses Volkskulturgutes.

Es hatte jedoch einen ganz profanen Grund, weshalb diese Präsentation von rund 300 Adventskalendern schon rund eineinhalb Wochen vor dem 1. Dezember eröffnet wurde. Die Exponate stammen zum weit überwiegenden Teil aus der Privatsammlung von Siegfried Böhmke, dem Intendanten des Münchner Marionettentheaters. Damit er an der Vernissage hätte teilnehmen können, war dieser Termin gewählt worden. Dann klappte es doch nicht. Denn wenn es auf Weihnachten zugeht, beschränkt sich für viele die Idylle besinnlicher Ruhe eher auf die Bildmotive von im Vorbeigehen noch mitgenommenen Adventskalendern.

Böhmke war schlichtweg etwas dazwischen gekommen. Per DVD-Projektion wandte er sich deshalb an das Vernissagepublikum. Allzu lange sammle er Adventskalender noch gar nicht, merkte er an, allzu lange gebe es sie aber auch noch nicht. Auf rund 100 Jahre bringen es die gedruckten Exemplare dieses volkstümlichen Kulturgutes, dessen Ursprünge recht alltäglicher Natur sind. Darauf spielte Bürgermeister Michael Czerny in seiner kurzen Begrüßung an. Er ist sich sicher, dass es niemanden gibt, der keine, oft etwas verklärende Erinnerungen an Adventskalender hat.

Eis bis vierundzwanzig

Immer, das scheint ebenso unumstößlich zu sein, spielt kindliche Ungeduld eine große Rolle. Deshalb der Charakter eines Zeitmessers, heute würde vielleicht eher von einem Countdown gesprochen. Eins bis vierundzwanzig, das ist der weite Weg, den jedes Kind durchleiden muss. Die Eltern dann natürlich ebenso. Deshalb sieht auch von Rauchbauer in dem noch nicht entwickelten Zeitempfinden von Kindern den eigentlichen Anstoß, eine bestimmte temporäre Spanne, sinnlich erfahrbar zu machen. Anfangs seien es beispielsweise Kerzen mit 24 fest eingeteilten Einheiten zum Abbrennen gewesen. Später Kalender, eher im Sinne von bildungsbürgerlich-religiösen Kalendarien, dann reizvoll-bunte Bilderwelten und jetzt 24 portionierte Konsumeinheiten.

Keineswegs unpolitisch

Innerhalb dieses Spektrums bewegen sich die Exponate von ersten gedruckten Exemplaren des beginnenden 20. Jahrhunderts, über ideologisch bedingte Abwandlungen beispielsweise während der NS-Zeit oder aus der DDR, bis hin zu den Schokoladehäppchen des Hier und Heute. Ein Volkskulturgut eben, das der Politik, Moden, technisch Möglichem und sich wandelnden Bedürfnissen unmittelbar unterworfen ist. Nicht trifft all das auf das Begleitprogramm der Vernissage zu. Die Harfinistin Martina Englhard benötigte nur wenige Griffe in die Saiten, um das Museumsfoyer mit weihnachtlich-sanften Klangwelten zu füllen, während Gregory Charamsa als Rezitator von drei Krippengeschichten die Lebendigkeit des zugrunde liegenden biblischen Motivs anregend förmlich erlebbar werden ließ.

Die Ausstellung "Adventskalender - Zeitmesser der Vorweihnachtszeit" läuft bis 12. Januar 2014 und ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Stadtmuseums zu sehen.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.stadtmuseum.amberg.de
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