Erstes Defizit seit 1992 im Wirtschaftsplan des Klinikums: Loch von 440 000 Euro klafft für 2008
Das tut weh: Kostenschere reißt auf

Die Schere von Einnahmen und Kosten im Krankenhauswesen geht weiter massiv auseinander. Konnte sie das Klinikum St. Marien in den vergangenen Jahren noch vorbildlich zusammenhalten, gelingt ihm das 2008 voraussichtlich nicht mehr. Zumindest weist der gestern vom Verwaltungsrat verabschiedete Wirtschaftsplan für heuer ein Defizit von 440 000 Euro aus - zum ersten Mal nach 16 Jahren, in denen immer ein ausgeglichener Haushalt präsentiert werden konnte.

Das ist natürlich für niemanden schmerzlicher als für Klinikumsvorstand Wilhelm Daller selbst, der dem Gremium dieses Zahlenwerk vorstellte und natürlich auch umfassend erläuterte, wie es zu der veranschlagten Unterdeckung kommt. Dabei ging er ausführlich auf die Rahmenbedingungen ein, die die Krankenhäuser bereits 2007 finanziell deutlich einschränkten und die heuer natürlich genauso sind:

Von der doppelten Budgetdeckelung auf Landes- und Krankenhausebene angefangen über die halbprozentigen Sanierungsbeiträge aus dem GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz und der Rechnungskürzung zur Anschubfinanzierung integrierte Versorgung bis hin zu den "hohen Tarifabschlüssen" durch den Marburger Bund für die Ärzte berichtete Daller von gestiegenen Belastungen.

Auch 2008 rechnet das Klinikum mit tariflich bedingten Personalkostenerhöhungen von vier Prozent, was allein rund zwei Millionen Euro ausmacht. Hinzu kommen laut Daller höhere Kosten für Energie und Lebensmittel (nur durch Preisanhebungen) sowie bei den übrigen Sachausgaben, so dass sich allein durch diese vier Faktoren die Ertragslage um fast 2,3 Millionen Euro verschlechtert. "Wir könnten sehr viel Gutes tun für unser Haus, wenn wir diesen Betrag hätten", verdeutlichte der Vorstand, "zum Beispiel 41 Planstellen schaffen im Pflegedienst".
Da die klassischen Einsparpotenziale nach seinen Worten weitgehend ausgeschöpft sind (trotz beschränkter Stellenplanerhöhungen verzichtet das Klinikum dennoch nicht völlig auf neue Kräfte, sondern richtet 36 weitere Vollzeit-Arbeitsplätze ein), müssten vor allem mit den Krankenkassen in den Budgetgesprächen Mehrleistungen ausgehandelt werden. Einer auch dadurch bedingt optimistisch geschätzten Erlössteigerung von insgesamt 6,22 Prozent auf knapp 97,3 Millionen Euro steht trotzdem eine Ausgabenerhöhung von 8,42 Prozent auf 97,7 Millionen Euro gegenüber (als größter Posten auf der Habenseite sind die Einnahmen aus Krankenhausleistungen mit gut 68 Millionen Euro und auf der Soll-Seite die Personalausgaben mit 57,5 Millionen Euro veranschlagt).

Das sich daraus ergebende Defizit von 440 000 Euro war laut Daller "trotz intensivster Berechnungen und Überlegungen, was man noch tun könnte", aus den geschilderten Zwängen heraus unvermeidlich. Der Verwaltungsrat hatte dafür Verständnis und lobte vor dem Hintergrund der dargestellten Bemühungen den "dennoch einigermaßen ausgeglichenen Ansatz". Wilhelm Daller appellierte in diesem Zusammenhang an die Politik, vor allem die Deckelungen aufzuheben und den stationären Bereich anders zu vergüten, "denn sonst weiß ich bald nicht mehr, wie es weitergehen soll".
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