Es gibt 100 Millionen Gründe

OB Michael Cerny (rechts) und Oberst Jochen Schneider (links daneben) legten einen Kranz am Ehrenmal in den Rathaus-Arkaden ab. Bild: Huber

Die beiden Weltkriege im vergangenen Jahrhundert kosteten rund 100 Millionen Menschen das Leben. Das sind 100 Millionen Gründe, warum der Volkstrauertag auch heute noch ein wichtiger Gedenktag ist.

"Ist der Volkstrauertag wirklich nur ein Tag, an dem man zurückblickt?", fragte OB Michael Cerny am Samstagabend vor dem Kriegerdenkmal auf dem Marktplatz. Und gab auch gleich die Antwort: "Ich denke, nein." Denn mit dem Heldengedenktag, zu dem die Nationalsozialisten den Volkstrauertag vorübergehend gemacht haben, hat dieser nach Ansicht von Cerny überhaupt nichts zu tun.

Heuer Gedenkdatum

Gerade der Volkstrauertag 2014 bietet laut Cerny reichlich Anhaltspunkte, warum das Gedenken auch heute noch wichtig ist. Vor exakt 100 Jahren sei der Erste Weltkrieg ausgebrochen, die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts mit rund zehn Millionen toten Soldaten und noch einmal mindestens sieben Millionen Zivilpersonen, die an den Folgen starben. "Der Erste Weltkrieg hat den beiden totalitären Regimen, dem Faschismus und dem Kommunismus Vorschub geleistet", so Cerny.

Der Zweite Weltkrieg, der Kalte Krieg und schließlich der Fall der Berliner Mauer vor genau 25 Jahren seien logische Folge dieses Ereignisses. Allein im Zweiten Weltkrieg seien rund 80 Millionen Menschen gestorben. "Das ist die Anzahl aller Einwohner Deutschlands auf einmal." Und doch verstecken sich laut Cerny hinter diesen erschreckenden Zahlen dramatische Einzelschicksale.

Cerny erklärte das mit Hilfe des Liedes "Tears in Heaven", welches der britische Sänger Eric Clapton geschrieben hat, als sein vierjähriger Sohn gestorben ist. "Er versucht darin, das Schwarze Loch zu verarbeiten, das sich für ihn aufgetan hat." Clapton stelle sich hier ein erneutes Zusammentreffen mit seinem Sohn im Himmel vor. "Er stellt darin die Frage: Was passiert mit unseren gemeinsamen Träumen?"

Viele Träume zerplatzt

Diese Träume seien aber für viele Hinterbliebenen ja zerplatzt, deren Väter, Brüder, Ehemänner oder Verlobte nicht mehr aus dem Krieg zurückgekommen seien. "Der Volkstrauertag gedenkt jedes einzelnen dieser Schicksale", ist sich Michael Cerny sicher. Und doch sei er eben kein Tag, an dem man nur zurückblicken dürfe. Er sei auch eine große Verpflichtung, für den Frieden einzutreten.

Der Oberbürgermeister nannte hier stellvertretend die aktuelle Situation in Syrien und dem Irak. "Es ist wichtig, sich für einen Frieden einzusetzen, der die Freiheit und Unabhängigkeit fördert." Dazu gehöre es aber auch, Flüchtlinge aufzunehmen, mahnte Cerny, der anschließend gemeinsam mit Oberst Jochen Schneider, dem stellvertretenden Kommandeur der Panzerbrigade 12 einen Kranz vor dem Ehrenmal niederlegte.
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