Facetten menschlicher Untiefen

Wer ist dieser Mann, der seine Ehefrau tötete und deshalb auf der Anklagebank sitzt? Das Schwurgericht lässt nichts unversucht, um bei der Vernehmung von Zeugen möglichst genaue Einblicke in dessen Persönlichkeit zu bekommen. Er selbst verliert derweil nach wie vor die Beherrschung und mischt sich ein, wann es ihm passt.

Es war seine vierte Ehe. Eine der von ihm geschiedenen Frauen, in der nördlichen Oberpfalz lebend, sagte am fünften Prozesstag aus. "Er hat mich psychisch unter Druck gesetzt", hörten die Richter von der 37-Jährigen. Ferner: "Er hat ganz selten gearbeitet." Einmal soll auch der Hund auf sie gehetzt worden sein. "Sie lügt!", unterbrach der Beschuldigte in barschem Ton die Vernehmung und bekam eine verbale Retourkutsche von der Gerichtsvorsitzenden Roswitha Stöber: "Mir fällt auf, dass immer die anderen lügen. Nur Sie nicht." Das nahm er nicht unwidersprochen hin. "Diese Frau wollte sich immer rächen. Jetzt bekommt sie Gelegenheit dazu."

Vatersuche auf Facebook

Im Gerichtssaal ist bisher nicht erörtert worden, wie viele leibliche Kinder der 47-Jährige aus vorangegangenen Verbindungen hat. Es sollen auf jeden Fall über ein halbes Dutzend sein. Eine seiner Töchter hatte den Vater erst über einen Facebook-Eintrag ausfindig gemacht. Sie besuchte ihn in Schnaittenbach und lernte bei dieser Gelegenheit dessen wenige Tage später umgebrachte damalige Partnerin kennen.

Ihr schrieb sie kurz vor dem in der Nacht zum 11. Februar 2014 geschehenen Verbrechen, ob es denn wahr sei, dass sie sich trennen wolle. Die Antwort: "Ja". Die meisten der bisher vernommenen Zeugen skizzierten den 47-Jährigen als oftmals unbeherrscht und bestimmend. In einer seiner früheren Ehen kam es offenbar auch zu Stalking-Vorfällen. Und wie war seine einem Verbrechen zum Opfer gefallene vierte Ehefrau? Könnte es stimmen, dass sie ihn bisweilen schlug und drangsalierte, wie er sagt? "Das", erfuhr die Strafkammer von einem aus Weiden angereisten Freund des Paares, "hätte die nie gemacht." Vom Hausarzt der 38-Jährigen gab es die Auskunft: "Sie war psychisch fertig."

Am Tag darauf war sie tot

Fest steht: Die Frau hatte einen Liebhaber. Der damals 27-Jährige hielt sich, weil zum Bekanntenkreis zählend, öfter in der Schnaittenbacher Wohnung auf. Ein Ehepaar aus Weiden, ebenfalls regelmäßig zu Gast in dem Haus an der Rosenbühlstraße, wurde argwöhnisch und wunderte sich. Da sei wohl etwas im Gange, dachten beide. Als der 47-Jährige gefragt wurde, ob es einen neuen Mann im Leben seiner Frau gebe, soll er geantwortet haben: "Das glaube ich nicht." Ansonsten aber, so wurde dem Schwurgericht mitgeteilt, sei das eine "Super-Ehe" gewesen, in der es nie Streit gegeben habe. Allerdings mit der eher am Rande fallenden Einschränkung: "Er wollte schon, dass alles nach ihm läuft." Der letzte Kontakt zwischen den Leuten aus Weiden und dem Paar aus Schnaittenbach fand nur wenige Stunden vor der Tat statt. Tags darauf erfuhren sie, dass die 38-Jährige von ihrem Mann mit Messerstichen getötet worden war.

Deutlich geworden ist unterdessen: Die Mutter dreier Kinder hatte nicht lange vor dem 11. Februar vergangenen Jahres ein Wochenende bei ihrer im Landkreis Kreis Amberg-Sulzbach wohnenden Freundin verbracht und war dort erstmals mit ihrem elf Jahre jüngeren Freund intim geworden. Auch ihr Ehemann erhielt seinerzeit eine Einladung und sollte mitkommen. Das lehnte er ab und blieb lieber in Schnaittenbach.
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