Falschgeld am Pizzastand

Sie schwärmten aus, um Blüten unter die Leute zu bringen. Keine mit Blättern. Falsche Fünfziger, die offenbar in Italien hergestellt wurden. In Amberg war dann Endstation für einen zur Bande gehörenden Niederländer.

Er hatte zuvor fünf unechte Scheine beim Kauf von Kleinigkeiten auf den Tisch gelegt und prompt legale Zahlungsmittel als Wechselgeld bekommen. Im Spätherbst vergangenen Jahres kam der Fälscher in U-Haft.

Der Mann aus Amsterdam, zuletzt im fränkischen Vorra wohnhaft, erzählte dem unter Vorsitz von Markus Sand tagenden Schöffengericht sehr wortreich eine Geschichte, die in ihren Einzelheiten nicht unbedingt glaubhaft erschien. "Etwas anderes aber lag uns nicht vor", unterstrich Sand später. Im Nebel blieb, wo die falschen 50-Euro-Scheine produziert wurden. Zu vermuten war, dass dies irgendwo in Italien geschah.

In Vorra will der 50-Jährige einen Anruf von seiner Ex-Freundin erhalten haben, die ihm sinngemäß vorschlug: "Mach doch mit, wenn Falschgeld in den Zahlungsverkehr gebracht wird." Er stimmte zu. Weshalb? Die Antwort: "Mein Arbeitgeber war pleite, ich hatte Lohn zu kriegen und bekam ihn nicht." Die erste Tour wurde am 14. November 2014 gestartet. Sie führte in den Bereich der Stadt Lauf und umliegende Orte wie Röthenbach. Im Auto saßen neben dem Holländer dessen Ex-Lebensgefährtin und ein gewisser "Yogi".

Lächerliche Provision

Seine genaue Identität kennt man bis heute nicht. Wie viele Falsifikate in mittelfränkischen Läden eingewechselt wurden, wird sich nie klären lassen. Allerdings ermittelte die Kripo in Schwabach, dass der Mann aus den Niederlanden zumindest in sechs Geschäften tätig wurde. Seine Weisung dabei: Kleine Sachen wie Semmeln kaufen, mit dem falschen Schein zahlen und das Wechselgeld kassieren. Für jede erfolgreich in den Umlauf gebrachte Blüte bekam der 50-Jährige fast schon lächerliche sieben Euro Provision.

Die zweite Blüten-Fahrt führte am 26. November nach Amberg. Diesmal war nur die Ex-Freundin des 50-Jährigen mit dabei. Was sie tat, blieb unklar. Wohl aber ließ sich der Weg des Holländers nachvollziehen. Er kaufte zunächst in vier Innenstadtgeschäften kleine Sachen und versuchte sein Glück danach an einem Pizzastand. Auch dort wanderte der gefälschte Fünfziger zunächst in die Kasse, gab es Wechselgeld.

Dann aber, es waren nur wenige Augenblicke vergangen, wurde der Schwindel offenkundig. Der zunächst unbekannte Mann wurde verfolgt und schließlich gestellt. Er war gerade dabei, mit einer weiteren illegalen Banknote im Filialladen einer Bäckerei zu bezahlen. Nach seiner Verhaftung in Amberg ergaben sich sofort Parallelen nach Lauf und den dort angezeigten Falschgeldfällen.

"Er war Täter und kein Helfer", stellte Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch in ihrem Plädoyer fest. Der Mann habe sich aktiv an einem Delikt der Geldfälschung beteiligt, sei in elf Fällen mit dem Einwechseln der Scheine tätig geworden. Dafür verlangte die Anklagevertreterin zwei Jahre Haft. "Man kann sie noch zur Bewährung aussetzen", meinte Barbara Tutsch und sprach sich außerdem dafür aus, dem 50-Jährigen eine Auflage von 300 gemeinnützigen Arbeitsstunden zu geben. 18 Monate mit Bewährung seien genug, ließ Verteidigerin Kathrin Meier anklingen. Zumal es sich beim Tatbestand nicht um Geldfälschung, sondern um das Inverkehrbringen falscher Zahlungsmittel gehandelt habe.

Wieder auf freiem Fuß

Das Schöffengericht verhängte 21 Monate wegen Geldfälschung. Es setzte diese Strafe zur Bewährung aus und schickte den Niederländer in 300 gemeinnützige Arbeitsstunden. Außerdem hoben die Richter den bestehenden Haftbefehl auf. Der Mann konnte gehen. Allerdings nicht mehr nach Vorra zurück: Er will künftig in Thüringen wohnen.
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