Fassadenkunst am alten Josefshaus frühes Werk des berühmten Amberger Künstlers
Als ein Prechtl noch dürr war

Kein typischer Michael Mathias Prechtl, aber trotzdem ein echter: Die Fassadenkunst am alten Josefshaus ist ein frühes Werk des berühmten Amberger Künstlers. Bild: Hartl

Mit seinen typischen, drallen Figuren haben diese beiden dürren Menschlein nichts zu tun. Und doch prangen da zwei echte Prechtls an der Fassade des Amberger Josefshauses.

. (eik) Das Wandbild am ehemaligen Kolpinghaus ist ein Frühwerk von Michael Mathias Prechtl. "1956 hat er es dort angebracht, zur Weihe des Festsaals", weiß Stadtheimatpflegerin Beate Wolters: "Das Ganze fällt unter ,Kunst am Bau', das gab's in den 50er auch schon."

Da hatte Amberg Glück

Den Auftrag dafür habe "ein damals noch junger, unbekannter Künstler bekommen" - eben jener heute weltberühmte Michael Mathias Prechtl. "Ich denke, 20 Jahre später hätten die Amberg ganz schön in die Röhre geschaut, wenn sie ihn hätten haben wollen, um das Kolpinghaus zu verzieren: Da war er dann bereits international bekannt", nicht zuletzt wegen seiner Titelblätter für den Spiegel und die New York Times. "Da wären wir in Amberg sauber abgeblitzt - zumindest für das Geld", ergänzt Wolters augenzwinkernd.

Auf den ersten Blick wirke dieses frühe Werk gar nicht wie ein typischer Prechtl, merkt die Heimatpflegerin an: "Dieses Dünne, Ätherische" sei so ganz anders als die "anderen Prechtls" - "seine Gestalten sind ja immer drall und lebensvoll, sie haben einen ganz hohen Wiedererkennungswert". Von den Prechtl-Figuren am Josefshaus könne man das nicht sagen. "Recht dürr und ausgezehrt schauen die beiden aus", merkt Wolters an und erklärt: "Der rechte ist Vater Kolping, der einen wandernden Gesellen in Empfang nimmt." Wolters vergleicht die Darstellung mit einer weiteren in Köln, vor dem Gesellenhaus, das Kolping gegründet hat - eine Bronzeguss-Figurengruppe, die Vater Kolping mit einem Wandersburschen zeigt, den er verabschiedet. "Ich denke, bei uns geht es mehr ums Heimkommen - mit den ausgebreiteten Armen, die Vater Kolping dem Burschen entgegenstreckt, ist es wohl kein Abschied."

Der verlorene Sohn

Für die Heimatpflegerin klingt in dieser Darstellung "sehr viel von der Heimkehr des verlorenen Sohns" an. "Ich finde es recht emotional, wie Prechtl das darstellt - ganz sparsam, mit ganz einfachen Formen und Mitteln. Aber es kommt dabei eben doch Emotion rüber."

An der rechten Gestalt meine man, einen angedeuteten Heiligenschein zu erkennen. Wolters lacht: "Das ist aber nur das Kapperl, das Vater Kolping immer aufhat." Trotzdem könne man sich darunter gut eine Gottvater-Figur mit dem verlorenen Sohn vorstellen. "Diese Emotionen, es kommt einer heim, den ich begrüße, das steckt da schon drin."

___

Der AZ-Adventskalender im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/azadventskalender2014
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.