Fatal: 23 Liter in zehn Minuten

Oberbürgermeister Michael Cerny stellte zusammen mit Tiefbauamtsleiter Norbert Füger und Udo Hartmann (von links) von Renner Consult das Hochwasserschutzkonzept vor. Rechts im Bild: Manfred Lehner von der Aktionsgemeinschaft Wagrain-Ammersricht. Bild: hae

Überflutete Gärten, Straßen und mit Schlamm und Wasser vollgelaufene Keller in Ammersricht und am Wagrain. Die Bilder, die Heinz Meinl zeigte, weckten schlimme Erinnerungen - an den Tag im September 2011, an dem ein Jahrhundert-Hochwasser gekommen war.

Obwohl die Stadtteile seitdem fast vier Jahre von solchen Unwettern verschont geblieben sind, hakten die Aktionsgemeinschaft Wagrain-Ammersricht und der Siedlerbund Wagrain bei der Stadt bezüglich des Hochwasserschutzes nach. Bei der Informationsveranstaltung im Pfarrzentrum St. Konrad machte Oberbürgermeister Michael Cerny eines deutlich: "Einen 100-prozentigen Hochwasserschutz kann es nicht geben, wohl aber eine Minimierung." Cerny sprach von einer ganzheitlichen Betrachtung für ganz Amberg. Diese soll nicht auf den rein technischen Hochwasserschutz beschränkt sein, sondern müsse durch einen naturnahen Schutz ergänzt werden und angelegt sein für ein 100-jähriges Hochwasser.

Man müsse sich bewusst sein, dass eine Großmaßnahme wie am Wagrain und in Ammersricht schwierig sei und Verzögerungen mit sich bringen könne. Von Vorteil sei ein dynamischer Prozess mit mehreren Maßnahmen, die gestuft finanziert und umgesetzt würden. Dadurch könnten neue positive Erkenntnisse in die Umsetzung einfließen.

Mit Oberstdorf verglichen

Tiefbauamtsleiter Norbert Füger verglich das September-Hochwasser von 2011 in Ammersricht und Wagrain mit dem Unwetter vor wenigen Tagen in Oberstdorf. Hier wie dort habe es 60 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in der Stunde gegeben, "bei uns aber 23 Liter in zehn Minuten, also in erheblich höherer Konzentration".

Diese Dimension sprenge jedes Kanalsystem und könne auch nicht mit einer Ausweitung in den Griff bekommen werden. Für den Wagrain und Ammersricht hat deshalb der Grundsatz Vorrang: Die Niederschlagsmengen müssten - soweit möglich - oben im Gelände abgewehrt werden. 2012 sei durch eine Grobermittlung der einzelnen Einzugsgebiete und die Zuordnung der Abflusswege eine erste überschlägige Berechnung der erforderlichen Rückhaltevolumen erstellt und ein Maßnahmenplan erarbeitet worden. In einem zweiten Schritt wurde laut Füger in den Jahren 2013 bis 2014 ein Hochwasserschutzkonzept für Amberg erstellt. Aufgenommen worden seien Details für Förderanträge, eine genauere Abflussberechnung und vorhandene Abflusssysteme sowie eine Abstimmung mit dem Gewässerentwicklungskonzept der Vils. Füger erwähnte entsprechende Planungsaufträge, die an das Ingenieurbüro Weiss beziehungsweise später an das Büro Renner und Hartmann Consult gegangen waren. Zurzeit befindet man sich in der Objektplanung für 2015, ein Gesamtplan werde erstellt.

Diplom-Geologe Udo Hartmann von Renner und Hartmann Consult erläuterte, dass am Auslauf des nördlichen Mariahilfbergs oberhalb der in vier Bereiche eingeteilten Stadtteile Wagrain und Ammersricht jeweils ein oder zwei Dammbauwerke dafür sorgen sollen, dass bei Starkregen das Wasser in Richtung Vils zurückgehalten wird. Insgesamt sechs Bauwerke mit Dammhöhen zwischen 2,60 und 7,50 Meter sowie einem Rückhaltevolumen zwischen 3000 bis 6000 Kubikmeter würden so entstehen. Berücksichtigt werde eine ungewöhnliche Niederschlagsmenge von 60 Litern pro Quadratmeter in der Stunde zuzüglich eines Zuschlages von 15 Prozent.

Keine konkrete Zeitangabe

Auf Nachfrage, wann mit dem Bau begonnen werde, nannte Füger keine Zeitangabe, sondern bat um Geduld und verwies auf das weitere Prozedere. Lägen die Ergebnisse, die bereits Einwände von Betroffenen und die Bürgerbeteiligung berücksichtigen, vor, müsse der Stadtrat einen "Durchführungsbeschluss" fassen. Erst danach könne mit dem Grunderwerb begonnen werden. Abschließend folge ein wasserrechtliches Planfeststellungsverfahren. Füger sagte, ähnlich wie beim Hochwasserschutz in Raigering sei auch hier mit einer Verfahrensdauer von rund zehn Jahren zu rechnen. (Hintergrund)
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