Fensterbacher Künstler Jürgen Böhm stellt in der Alten Feuerwache aus
Mensch, Stadt und Netzwerke

Albert Schneitl (links) begleitete den Künstler Jürgen Böhm während der Vernissage in der Alten Feuerwache. Bild: Hartl
Jürgen Böhm hat sein Atelier in Fensterbach, nur wenige Minuten von Amberg entfernt. Trotzdem hat er dort noch nie ausgestellt. Seit Donnerstag ist erstmals ein Ausschnitt seiner Arbeiten zu bewundern. Die Werkschau ist noch bis 26. Juli zu besichtigen. Den Titel "Dérive" hat er als Installation mit Projektionen umgesetzt.

Dunkelheit als Bühne

Lange Stoffbahnen mit kleinformatigen, LED-illuminierten Fotos von Amberger Gebäuden begrüßen die Besucher der Stadtgalerie Alte Feuerwache in Amberg. Dahinter empfängt den Besucher Dunkelheit. Hier nutzt der Künstler Jürgen Böhm genau diese Dunkelheit als Bühne für seine aktuelle Ausstellung: Installationen, Projektionen und Fotos unter dem Titel "Dérive". Bei der Vernissage begleitete ihn der Soundkünstler Albert Maximilian Schneitl.

Die Begrifflichkeit "Dérive" steht nicht wie im eigentlichen Wortsinn für ein zielloses sich treiben lassen, eher für eine Art Verortung, das sich planvolle Erschließen einer Stadt, die durch Straßen und Plätze Menschen und Orte miteinander in Beziehung setzt. Das überdimensionale "You are here", das Böhm mit Acrylfarben auf das Papier gebracht hat, zitiert eine weltweit verständliche Orientierungshilfe.

In seiner Installation erzeugt Jürgen Böhm Analogien zwischen echter und virtueller Vernetzung. Und lässt beide Bereiche ineinander sickern. Was man aus einiger Entfernung als Miniaturstadt erkennen könnte, ist tatsächlich eine großflächige Platte, auf der sich Computerplatine an Computerplatine reiht.

Auf diese strukturierten Oberflächen werden virtuelle Netzwerke projiziert, die langsam wieder verschwinden, um sich im nächsten Augenblick in riesige Stadtpläne zu verwandeln. Zwischendurch taucht die Phrase "Hello World" auf - menschliche Grußformel und zugleich eine gängige Floskel aus dem Sprachbereich entweltlichter Computernerds.

Südkorea und Tschechien

Jürgen Böhm bedient sich vor allem zeitgemäßer Medien. Dabei liegen seine Wurzeln in einer sehr traditionellen Kunst. In Garmisch-Partenkirchen ließ er sich von 1999 bis 2003 zum Bildhauer ausbilden. Von 2004 bis 2012 studierte Böhm an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Magdalena Jetelová. 2010 stellte er in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul und 2012 in Klatovy in der Tschechischen Republik aus.

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Die Ausstellung ist in der Stadtgalerie Alte Feuerwache noch bis 26. Juli 2015 zu besichtigen: Dienstag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr und am Wochenende von 11 bis 17 Uhr.
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