Feste hinter Gittern

Schöne Bescherung drei Wochen vor Weihnachten. Allerdings im negativen Sinn für den Betroffenen. Er hätte womöglich doch noch einmal mit Milde rechnen können, erschien nicht zum Prozess und muss nun für über zwei Jahre hinter Gitter.

Amberg. (hwo) Der 44-Jährige hätte, wenn er denn gekommen wäre, seine Lage nur verbessern können. Heuer im Mai war er vom Amtsgericht zu zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt worden, weil wieder einmal Drogen bei ihm gefunden worden waren: Crystal Speed, Amphetamin, Teile einer Haschischplatte. Dabei hatte der Mann Pech: Sein Name stand auf der "Schuldnerliste" eines Drogenhändlers, die von Ermittlern entdeckt wurde.

Bei dieser ersten Verhandlung bat Pflichtverteidiger Jörg Jendricke um eine allerletzte Chance. Die Justiz mochte da aber nicht mitmachen. Also ging Jendricke in Berufung zum Landgericht. Seinen als Rauschgiftkonsumenten amtsbekannten Mandanten sah er seither nicht mehr.

Gleichwohl blieb der Einspruch aufrecht erhalten, kam es folglich zu einem neuen Termin vor der 3. Strafkammer des Landgerichts. Doch der nur wenige Hundert Meter vom Justizgebäude entfernt wohnende Angeklagte glänzte durch Abwesenheit.

Nicht erschienen

"Selber schuld", wie dem Gespräch zwischen denen zu entnehmen war, die sich auf den Weg zum Sitzungssaal gemacht hatten. Denn was der 44-jährige Amberger nicht wusste, war: Die Staatsanwaltschaft wäre unter Umständen bereit gewesen, ihre Zustimmung zu einer allerletzten Bewährungschance zu geben. Das Ignorieren der Gerichtsladung hat nun drastische Konsequenzen für den Amberger und bringt, wenn man so will, eine schöne Weihnachtsüberraschung in des Wortes negativster Bedeutung mit sich.

Drastische Konsequenzen

Nach gut einer Viertelstunde Wartezeit wurde der Einspruch von der Strafkammer unter Vorsitz von Richter Gerd Dreßler verworfen. Damit muss der 44-Jährige nicht nur die erstinstanzlich ausgesprochenen zehn Monate absitzen. Auch offene Bewährungsstrafen, ebenfalls wegen Drogendelikten verhängt, werden jetzt widerrufen.

Was unter dem Strich bedeutet: Für 26 Monate ab hinter Gitter und damit zwangsläufig auch zwei Weihnachtsfeste in der Zelle.
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