Feuerwehrleute als Brandstifter

Eine Brandstiftung löste drei Tage vor Weihnachten des Jahres 2014 einen Feuerwehrgroßeinsatz aus und führte zu hohem Sachschaden. Beim Prozess in Amberg zeigten sich nun die beiden beschuldigten, 20-jährigen Feuerwehrmänner geständig. Archiv-Bild: Hösamer

Sie wollten "in einen größeren Einsatz gehen". Da fuhren zwei Schwandorfer Feuerwehrleute nach Klardorf und setzten ihren vorher diskutierten Plan um: Der Beifahrer stieg aus und entfachte Flammen in einer Maschinenhalle, der andere wartete und gab Gas, als sein Kamerad zurückkehrte.

Es ist der klassische Fall einer Vorsatzbrandstiftung. Mit zwei 20-Jährigen auf der Anklagebank, die bei der Schwandorfer Feuerwehr dienten und eifrig an Einsätzen teilnahmen. Dann kam wohl eine Zeitspanne, in der nicht viel los war. Also sollte ein Alarm her. Und zwar ein größerer.

Eigentlich war zunächst die Rede davon, das Unternehmen "Großbrand" am Heiligen Abend zu starten. Doch dann wurde dieser Plan am 21. Dezember letzten Jahres in die Tat umgesetzt. Die beiden Kumpels waren mit dem Auto in der Stadt unterwegs. Einer hatte seinen Funkwecker dabei. "Ich kenne da eine Stelle", soll der andere signalisiert haben. Diese "Stelle" war ein Bauernhof an der Kulturstraße in Klardorf.

Was dann passierte, schilderte einer der jetzt vor dem Amberger Jugendschöffengericht sitzenden Angeklagten in allen Einzelheiten. Der Ablauf ließ sich so zusammenfassen: Hingefahren, Licht am Auto ausgeschaltet, kurzes Gespräch noch. "Dann bin ich ausgestiegen, in die Scheune gegangen, habe Stroh zusammengerafft und angezündet." Das Feuer griff sofort um sich. Es sorgte tatsächlich für den gewünschten Großeinsatz und richtete nahezu 300 000 Euro Schaden an.

Der zweite Beschuldigte, bis heute (weil nicht geständig) in U-Haft, schüttelte zunächst den Kopf. Nach einem Rechtsgespräch, das sein Anwalt Jörg Sodan zusammen mit Richter Peter Jung und Staatsanwältin Manuela Zeller führte, wurde ihm für ein Geständnis eine Haftstrafe zwischen eineinhalb und zwei Jahren signalisiert. Da gab er zu, mitgemacht zu haben und zum Tatort gefahren zu sein. Der 20-Jährige, der das Feuer legte, rückte, nachdem beide nach Schwandorf zurückgekehrt waren, mit dem Löschzug aus. Sein Kamerad ging nicht mit.

Der Prozess ist zunächst auf sechs Tage angesetzt. Mehrere Dutzend Zeugen sollen aussagen. Der erste von ihnen, zwischenzeitlich vernommen, hatte für die rasche Klärung des Verbrechens gesorgt. Er stand an der Kulturstraße vor seinem Haus, sah das plötzlich auftauchende Auto, schöpfte Verdacht und bemerkte einen Feuerschein in der Maschinen- und Lagerhalle. Der 30-Jährige, Mitglied der FFW Klardorf, merkte sich das Kennzeichen des Wagens. Noch in der Nacht kam es zu Festnahmen.
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