Fidget-Feet-Aerial-Dance-Theatre verzaubert das Publikum im Amberger Stadttheater
Neue Dimension des irischen Stepptanzes

Es sieht ein wenig nach wildem Herumgehüpfe aus, was "Fidget Feet" auf die Bühne des Amberger Stadttheaters zaubern. Tatsächlich handelt es sich um irischen Stepptanz. Bild: Steinbacher
Eine Kombination aus Musik, Tanz, Lyrik und Akrobatik zeigt das Fidget-Feet-Aerial-Dance-Theatre im Amberger Stadttheater. In Zusammenarbeit mit dem Hawk's-Well-Theatre bringen Tänzer, Musiker und der Rezitator eine moderne, ästhetische und absolut sehenswerte Kombination aus den Elementen, die die irische Kultur ausmachen, auf die Bühne.

Rezitator Corrin Thomas hat wohl mit größeren Schwierigkeiten beim Oberpfälzer Publikum zu kämpfen, denn er bekommt keinen Szenenapplaus. Obwohl er ihn für seine Interpretation des Gedichts "The Second Coming", das auch titelgebend für die ganze Inszenierung ist, wahrlich verdient hätte.

Sein größtes Handicap ist wohl, dass sein Auditorium, auch wenn es der englischen Sprache mächtig ist, die lyrische Dichtung von William Butler Yeats nicht in ihrer ganzen Schönheit erfassen kann. Zu artifiziell sind die Verse konstruiert. So bleibt den meisten Zuhörern nur, den Wohllaut und die Diktion der Worte zu genießen, denn eines ist dabei auf jeden Fall klar: Die englische Sprache, die Sprache Shakespeares, ist auch heute noch voll zauberhafter Faszination für den, der sich darauf einlässt. Im Land der Barden wäre der Vortrag sicherlich entsprechend bejubelt worden.

Zuckende Bewegungen

Ganz anders ergeht es den Tänzern auf der Bühne. Die Choreographie von Chantal McCormick - mal archaisch wild und ungelenk, dann wieder elfenhaft schwebend - kann die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums erheischen. Mit zögernd-zuckenden Bewegungen, noch nicht als "Tanz" im heutigen Sinne zu erkennen, sondern einem Ritual aus grauer Vorzeit ähnlich, eröffnen die Tänzer des Fidget-Feet-Aerial-Dance-Theatre einen Reigen an Szenen, in denen sich die Entwicklung dieser Kunst von den ursprünglich religiösen Motiven hin zum Ausdruck reiner Lebensfreude spiegelt. Dabei fügen sie der in den letzten Jahren durch "Riverdance" und "Lord of the Dance" zu ungeahnter Popularität gelangten Kunst des irischen Stepptanzes eine neue - quasi eine vertikale - Dimension hinzu. Mit Hilfe eines ausgeklügelten Systems von Flaschenzügen in der Bühnenkonstruktion erheben sich die Mitglieder des Ensembles engelsgleich in die Höhe, so dass die choreographierte Geschichte auf mehreren Ebenen erzählt werden kann. Diese luftigen Szenen werden vor einem Hintergrund, auf den das Bühnengeschehen mit farbigen Verfremdungseffekten projiziert wird, nicht getanzt, sondern zelebriert.

Traurige Ballade

Bei dieser Luft-Choreographie beeindrucken die Tänzer durch ihre hoch ästhetischen Bewegungen, deren Eindruck die Musikanten mit Geige, Harfe, Flöten und Trommeln noch verstärken.

Ein Highlight ist ein von Sianna Bruce a capella gesungenes Lied, das im Zuschauerraum eine ebenso andächtige Stille auslöst, wie vor wenigen Jahren die irischen Fußball-Fans in Kiew, als sie noch während des Spiels gegen die spanische Mannschaft die traurige Ballade von den "Fields of Athenry" anstimmten und damit selbst die redefreudigsten Moderatoren zum Schweigen brachten.
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