Forum-Belegschaft empört über Wortwahl von Sparkassen-Chef Heribert Niedermeier
Äußerung "ist geschmacklos"

Die Forum-Insolvenz schlägt hohe Wellen, ist Stadtgespräch. Empörung hat bei der Belegschaft die Aussage von Sparkassen-Chef Heribert Niedermeier hervorgerufen, die Hausbank des Kaufhauses habe nach Abwägung aller Aspekte nur noch zwischen "Pest und Cholera" wählen können (AZ berichtete). "Die Äußerung und Wortwahl ist geschmacklos", urteilte Betriebsratsvorsitzende Aurelia Däbritz.

"In der modernen Medizin kann man Pest und Cholera auch heilen. Vielleicht gibt's auch für uns ein Heilungsmittel", meinte mit einer Portion Sarkasmus Inge Hiltl, als sie gestern zusammen mit Däbritz und ihrer Betriebsratskollegin Gabi Pongratz-Paul in der AZ-Redaktion ihrem Ärger Luft machte.

"Frustriert, fassungslos und geschockt" waren sie und das ganze Forum-Personal, als sie Geschäftsführer Hans-Joachim Treutler am Dienstagabend über den schweren Gang zum Insolvenzgericht informierte, den er Stunden zuvor angetreten hatte. Schon als sie erfahren hatten, dass die Sparkasse Treutlers neues Zukunftskonzept nicht trägt, "haben wir im Büro geheult", so Hiltl. Tief getroffen und extrem verletzt hätten die Mitarbeiter nun Niedermeiers Worte. Für sie sei es völlig unverständlich, "dass sich ein gebildeter, studierter Mensch zu einer solchen Äußerung hinreißen lässt", sagte Hiltl - und appellierte an die Kunden der Sparkasse, ihre Konsequenzen daraus zu ziehen.

Die Betriebsrats-Vertreterinnen wurden dann sogar noch deutlicher und nahmen kein Blatt mehr vor den Mund: Jeder sollte sich überlegen, ob das die richtige Bank für ihn sei.

Beim Kaufhaus Forum, so führte Aurelia Däbritz vor Augen, "geht es um Menschen, Arbeitsplätze, Familien". Niedermeier und auch Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer machten sie und ihre Kolleginnen den Vorwurf, beide seien, ganz entgegen aller Bekenntnisse für das Kaufhaus, schon immer bestrebt gewesen, das Forum los zu werden.

Dem OB und dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Amberg-Sulzbach wurde im Verlauf des Gesprächs sogar "Arbeitsplatz-Vernichtung" unterstellt. "Die machen ja alles kaputt", schimpfte Inge Hiltl.

Auch viele Forum-Kunden hätten sich am Donnerstag sehr über Niedermeiers Sicht der Dinge aufgeregt und das dem Personal in den Abteilungen und an den Kassen in zahlreichen Gesprächen zu verstehen gegeben. "Sie wollten ihren Frust über die Sparkasse, Niedermeier und den OB ablassen", lautete die Einschätzung der Betriebsrats-Delegation.