Frau Sporrer, was ist nach einem Trauerfall besonders wichtig und was hilft, wenn man danach wieder allein ist?
Drei Fragen

Katja Sporrer: Erst hilft das Umfeld. Leute, mit denen man offen reden kann. Später ein Ort, wo man in Ruhe auf Gedankenreise gehen kann. Das mag im Zimmer sein, oder auch in der Natur. Einfach ein Platz im Kopf, in den man sich zurückziehen kann. Ein Mädchen, bei der beispielsweise die Mutter verstorben ist, könnte die Augen schließen, sich eine schöne Blumenwiese vorstellen, auf der nur sie und ihre Mama liegen. Niemand anders. Nichts stört. Ihre Mama ist für diesen Augenblick einzig und allein nur für sie da. Das hilft ungemein.

Haben Sie das Gefühl, dass sich Kinder mit der Zeit in der Trauergruppe verändern?

Sporrer: Ja, sie verändern sich. Es tut ihnen gut. Eine frühere Gruppe hat sich sogar weiterhin getroffen, obwohl der Kurs schon längst beendet war. Wichtig ist, wir geben jedem Einzelnen auf seinem Weg mit, dass er jederzeit bei uns anrufen kann, wenn es Probleme gibt. Auch die Angehörigen geben uns nur positive Rückmeldungen. Das freut uns natürlich sehr.

Wie nahe gehen Ihnen die Schicksale der Kinder?

Sporrer (überlegt): Sehr nahe. Aber es ist nicht so, dass ich das mit nach Hause nehme. Durch meine Arbeit als Krankenschwester in der Notaufnahme kam ich oft mit dem Thema Tod in Berührung. Auch in meiner Familie wurde und wird natürlich über so etwas gesprochen. Meine Tochter hat als Achtjährige auf die Frage "was wäre wenn?", mit einem Satz geantwortet, den ich nie vergessen werde. Sie sagte: Aber Mama, irgendwann sehen wir uns doch wieder - und dann für immer. (blm)
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