Friedrich Brandl liest im Stadtmuseum aus seinen zwei autobiografischen Büchern - Einfach ...
Erinnerungen ans Kaugummi-Betteln

"Ich bin ein Ziegelgassler", sagt Friedrich Brandl, und zwar im Brustton der Überzeugung. Dabei schaut er in die Runde der Besucher, die zu seiner Lesung ins Stadtmuseum gekommen sind.

Quasi zur Verstärkung hat er auch noch seine Freunde aus Kindergartentagen mitgebracht: Leo Pongratz, Peter Graf, Fritz Edelhäußer und Edi Gietl. Mit ihnen hat er vor mehr als 50 Jahren die Skiffle Group gegründet. Und voller Temperament eröffnen sie auf Gitarre, Waschbrett und Trichtertröte mit "When the Saints ..." den Abend.

Durch zwei autobiografische Bücher blättert Friedrich Brandl: "Ziegelgassler und die 50er Jahre in Amberg" und "Glock'n'Roll. Eine Jugend im Schatten der Martinskirche". Darin erzählt er von der Wohnungs-, Schul-, Wirtshaus-, und Spielplatzsituation im Amberg der 50er Jahre. Alles ging von der Ziegelgasse Nummer 23 aus, wo der Autor wohnte. Amberg war die Ziegelgasse. Dann erweiterten sich die Kreise, die Radien wurden größer, die mehr "befeindeten" als befreundeten Gruppen aus den verschiedenen Stadtvierteln treffen aufeinander.

Brandl erinnert sich ans Kaugummibetteln bei US-Soldaten und an die Dubble-Bubble-Blasen, an den Eisverkäufer Utz mit dem riesigen Kropf, an Ferien am Wagrain bei der Tante, an immerwährende Geldnot und Schokobohnen, die sich als "Hasenbepperln" herausstellten. Viel Kopfnicken und Erinnerungslächeln, aber auch ungläubiges Staunen über die bescheidenen Verhältnisse nach dem Krieg gibt's im Publikum. Die Zukunft wird dann schon etwas rosiger, als die Familie in die Lederergasse übersiedelt, der Bruder Taschengeld spendiert und Fritz, der Teenager, den Kopf voll hat mit "Sugar Baby", Rock'n'Roll und Santin-Treffs mit Coca Cola. Die Geschichten sind einfach erzählt und kommen deshalb auch sehr authentisch rüber, was die Zuhörer mit Beifall honorieren.

Die Lesung passe hervorragend zur Ausstellung "Wiederaufbau und Wirtschaftswunder - Die 50er Jahre", die derzeit im Museum zu sehen ist, meint dessen Leiterin Judith von Rauchbauer in ihrer kurzen Einleitung. Auf über 500 Quadratmetern zeigt der Streifzug durch die Geschichte der Nachkriegszeit Exponate und Erinnerungsstücke wie Nierentisch, Tütenlampen oder Petticoat. Damit verbunden sind Neuheiten im Lebens- und Einrichtungsstil, in der Jugendkultur, der Mode, aber auch in der Architektur von Kinos, Kaufhäusern und Wohnblocks.
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