Fünf Jahre Haft für den Brandstifter

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Drei Tage lang war er darum bemüht, sich als guten und hilfreichen Menschen darzustellen. Das Landgericht stufte ihn anders ein. Als Brandstifter und als jemanden, der durch verbrecherisches Handeln in der Innenstadt "für eine hochgefährliche Situation sorgte". Jetzt verschwindet der 56-Jährige hinter Gittern.

Man musste eigentlich nur in die Akten blicken, um zu erkennen, wen man da vor sich hatte. Wegen Brandstiftung mehrfach vorbestraft und an vielen seiner bisherigen Wohnorte immer dann zur Stelle, wenn Flammen züngelten. Immer und überall zu Unrecht verdächtigt und verfolgt? "An so viele Zufälle vermögen wir nicht zu glauben", sagte die Strafkammer-Vorsitzende Roswitha Stöber, als sie den aus Duisburg stammenden Mann am Mittwoch zu fünf Jahren Haft verurteilte.

Rechtsbrecher statt Wohltäter und Gutmensch: Drei Tage lang hatte das Gericht Zeugen vernommen, Fragen gestellt, Gutachter gehört. Zu ihnen zählte der Nürnberger Psychiater Thomas Lippert, der den 56-Jährigen schon seit langem kennt und sich nicht zum ersten Mal eine Meinung über ihn bilden musste. Lippert beschrieb ihn so: "Ein Mensch mit Persönlichkeitsstörung und Hang zu dramatischer Selbstdarstellung." Verminderte Schuldfähigkeit mochte der Psychiater nicht ausschließen. Allerdings seien die Voraussetzungen für eine erneute Einweisung in die Forensik nicht erfüllt. Damit war klar: Im Fall eines Schuldspruchs kann der Angeklagte nur in Haft gebracht werden, ein dauerhafter Aufenthalt in der Psychiatrie würde ihm erspart bleiben.

"Er war es"

Es ging um vier Brände: einer heuer am 28. Januar im Keller eines Wohnhauses am Mosacherweg, der zweite am späten Abend des 3. Februar in einem Wohn- und Geschäftsanwesen an der Georgenstraße. Wenige Stunden später brannten zwei Müllcontainer im Dreifaltigkeitsviertel. Der Angeklagte tauchte an allen Tatorten auf. Aber war er auch der Täter? Für Staatsanwältin Dr. Barbara Tutsch eine klare Sache: "Er war es." So viele Zufälle auf einmal könne es nicht geben, fuhr sie fort und forderte sieben Jahre Haft. "Nichts ist bewiesen", hielt Verteidigerin Sarah Räder dagegen, "die Indizien reichen nicht aus." Sie verlangte Freispruch.

"Ich habe nichts getan"

Die Kammer wog sorgfältig ab, ehe sie ihre Entscheidung fällte und zu einem Schuldspruch kam. "Wenn man das alles in der Gesamtschau betrachtet, dann ist das nicht nur Zufall gewesen", sagte Richterin Roswitha Stöber. Irgendwie habe der 56-Jährige eine gewisse Vorliebe für Feuerwehr und Brände. Das lasse sich allein schon beim Blick in die Unterlagen erkennen und werde auch dadurch belegt, dass er bei sich daheim Plakate und Bilder an die Wand heftete, die mit Einsätzen und Brandbekämpfung zu tun hatten.

Das an der Georgenstraße gelegte Feuer mit einem Schaden in sechsstelliger Höhe beschrieb die Richterin detailliert. "Eine hochgefährliche Geschichte", sagte sie und ergänzte, dass dort drei Menschen um ihr Leben bangen mussten. Die Haftstrafe wäre womöglich noch weit höher ausgefallen. Doch die verhängten fünf Jahre seien dadurch erklärbar, dass das Steuerungsvermögen eingeschränkt war. Der Angeklagte hörte kopfschüttelnd zu. "Ich habe nichts getan", hatte er in seinem Schlusswort erneut beteuert.
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