Für die Umwelt und das Trinkwasser: Sensibler entsorgen
Arzneimittel gehören nicht ins Klo

Die Amberger leben auf der vielzitierten Insel der Glückseligen. Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Stephan Prechtl belegte seine Aussage mit Zahlen. 770 Millionen Menschen haben nicht permanent Trinkwasser zur Verfügung. 2,5 Milliarden haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen. Für Menschen, die lediglich den Wasserhahn aufdrehen müssen, wenn sie Durst haben, kaum vorstellbar. Zum Weltwassertag am Sonntag rief der Stadtwerke-Chef am Freitag gemeinsam mit Gesundheitsamtsleiter Dr. Roland Brey, Apotheken-Sprecher Alois Dittrich, Klinikumsvorstand Manfred Wendl und Norbert Füger, Geschäftsführer des Zweckverbandes zur Abwasserbeseitigung, zu mehr Sensibilität bei den Bürgern auf. "Wir müssen bewusst und sparsam mit unserem Wasser umgehen", sagte Prechtl. Die Qualität sei gut, und so solle es bleiben.

Hundert Tonnen entsorgt

Ein brisantes Thema in diesem Zusammenhang sei der Umgang mit Arzneimitteln. Alois Dittrich erklärte, dass es in Amberg möglich sei, Medikamente bei den Apotheken abzugeben. Diese würden sich um die fachgerechte Entsorgung kümmern. Zwar sei es auch möglich, sie in die Restmülltonne zu werfen, jedoch "auf keinen Fall in die Toilette". "Kläranlagen können nicht alle Substanzen aus dem Wasser filtern. Auch gereinigtes Wasser kann immer noch Rückstände dieser Medikamente enthalten, die dann in den ökologischen Kreislauf gelangen", sagte Wendl. Es sei nicht auszuschließen, dass dies zu den steigenden Resistenzen gegenüber Antibiotika beiträgt und die Problematik mit multiresistenzen Keimen verstärkt." Das Bundesumweltamt gehe davon aus, dass jährlich mehrere hundert Tonnen Arzneimittel unsachgemäß über die Toiletten und Spülbecken entsorgt werden, sagte Füger.

Nicht alles filterbar

Vom Kanal aus gelangen diese Stoffe entweder zur Kläranlage oder - was noch schlimmer sei - bei stärkerem Regen über Entlastungsbecken direkt in ein Fließgewässer, "in unserem Fall die Vils". Allein schon wegen der Vielfalt der Stoffe sei es kaum möglich, diese in der Kläranlage dem Abwasser zu entziehen. "Im Klärwerk Theuern kommen in jeder Sekunde 1200 Liter Abwasser an. Mit den üblichen mechanischen und biologischen Reinigungsstufen ist es nicht möglich, die Arzneimittelwirkstoffe aus dem Abwasser zu filtern. Sie gelangen zu einem erheblichen Teil in den Fluss", erklärte Füger.

Für den menschlichen Organismus seien diese im Wasser gefundenen Stoffe nicht gesundheitsgefährdend, betonte Dr. Brey. "Die Konzentrationen liegen bisher deutlich unterhalb der bekannten Wirksamkeitsgrenzen bei Menschen." Es konnte aber nachgewiesen werden, dass einige dieser Substanzen negative Effekte auf die Umwelt haben.
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