Für eine Bande fehlen Beweise

Dass die drei Männer, die aus Parsberg, Zirndorf und Chemnitz angereist waren, sich zufällig nachts um halb drei Uhr an einer Tankstelle in Amberg trafen und spontan beschlossen, in diese einzubrechen: Das mochte Richter Markus Sand nicht glauben. Trotzdem reichte es nicht für eine Verurteilung wegen schweren Bandendiebstahls.

Nach zweistündiger Verhandlung fällte Markus Sand, Vorsitzender des Schöffengerichts am Amtsgericht, das Urteil: Jeder der drei Männer, die aus Georgien stammen, bekam ein Jahr und vier Monate zur Bewährung. Die Haftbefehle wurden aufgehoben.

Eines sagte der Richter den Angeklagten aber auch noch: Hinsichtlich ihres Asylverfahrens hätten sie sich sicherlich keinen Gefallen getan. Bedenken sollten sie, dass ein Verhalten wie ihres, dazu führt, dass ein immer größer werdender Teil der Bevölkerung Skepsis gegen Asylbewerber hat. Das Trio war, wohl mit einem weiteren Mann, dem allerdings die Flucht glückte, im Mai in eine Tankstelle im Stadtgebiet eingebrochen. Ein Monat zuvor erst hatten die Angeklagten Asyl beantragt.

Tankstelle umstellt

Die Staatsanwaltschaft warf ihnen gemeinsamen schweren Bandendiebstahl vor. Die drei Männer ließen aber über ihre Verteidiger erklären, dass sie den Sachverhalt einräumen. Einen Vorwurf wiesen sie zurück: Sie hätten sich nicht zu einer Bande zusammengeschlossen und auch nicht vorgehabt, weitere Straftaten zu begehen. Zwei Polizisten sagten aus, der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes hatte Alarm ausgelöst, weil Leute in der Tankstelle waren.

Sofort machten sich zwei Streifenwagen auf den Weg. Wie sich herausstellte, hatte das Trio ein rückwärtiges Fenster aufgehebelt und war in den Verkaufsraum vorgedrungen. Dort klauten die Täter knapp 600 Euro aus der Wechselkasse und packten Zigaretten im Wert von rund 3000 Euro ein. Vermutlich dürften sie die Beute durch ein Fenster nach draußen gereicht haben, denn dort fand später die Polizei die mit Tabakwaren gefüllten Müllsäcke. Ein weiterer Einbrecher stand wohl draußen, um die Ware in Empfang zu nehmen. Allerdings flüchtete er, als die Polizei kam.

Beschädigungen der Decke legen nach Einschätzung der Zeugen die Vermutung nahe, dass die Männer übers Dach entkommen wollten. Auch DNA-Spuren, unter anderem eine Socke, mit denen die Täter einen Bewegungsmelder abdeckten, überführten sie. Seit der Tat saßen sie in Untersuchungshaft.

"Auf den bandenmäßigen Diebstahl deutet einiges hin, für einen Nachweis reicht es aber nicht", sagte die Staatsanwältin, die für jeden der drei Angeklagten eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten forderte. Sie bescheinigte dem Trio eine hohe kriminelle Energie.

Die Anwälte argumentierten mit dem Gleichheitsprinzip. Für vergleichbare Taten seien andere zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Wären sie deutsche Staatsangehörige und hätten einen festen Wohnsitz, wären sie wohl nicht in U-Haft gekommen. Den Antrag der Staatsanwaltschaft hielten sie für überzogen, eine Bewährungsstrafe von ungefähr einem Jahr sei ausreichend.

Keine belastbaren Beweise

Ein Jahr und vier Monate auf Bewährung verhängte das Schöffengericht schließlich. Richter Markus Sand sagte in seiner Urteilsbegründung, dass einiges für einen Bandendiebstahl spreche. Er glaube nicht an ein zufälliges Zusammentreffen von drei Georgiern aus unterschiedlichen Städten in Amberg. Die dann, weil sie gerade so lustig, beieinander sind, spontan beschließen, in eine Tankstelle einzubrechen. "Aber wir haben keine belastbaren Beweise." Alle drei nahmen das Urteil an.
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