Für eine gerechtere Welt

Amberg ist auf dem Weg, "Fairtrade-Stadt" zu werden. Das Erasmus-Gymnasium ist schon einen Schritt weiter. Die Schüler feierten am letzten Tag vor den Weihnachtsferien eine ganz besondere Auszeichnung.

"Wenn ihr meine Zukunft seid, dann habe ich keine Angst davor." Mit diesen Worten ging Dr. Helmut Kollhoff, das schnurlose Mikrofon in der Hand, direkt auf die Schüler des Erasmus-Gymnasiums (EG) zu. In der Sporthalle feierten die Schüler zusammen mit dem Vorsitzenden des Eine-Welt-Ladens kurz vor Weihnachten eine besondere Auszeichnung: den Titel "Fairtrade-Schule". Als erstes Gymnasium und als zweite Schule in Amberg - nach der Dreifaltigkeitsschule - darf das EG diesen Namenszusatz führen. Um das Siegel zu erreichen, musste die Schule allerdings in Vorleistung gehen. Voraussetzungen waren die Bildung eines Schulteams, mindestens eine Veranstaltung pro Jahr zum Thema fairer Handel und zwei unterschiedliche Fairtrade-Produkte im täglichen Angebot (etwa Bananen oder Müsli-Riegel). Außerdem müssen zwei Klassenstufen in zwei verschiedenen Fächern relevante Themen durchnehmen und sämtliche Aktionen dazu in einem Internet-Tagebuch dokumentieren. Nachdem die Achtklässlerin Amelia Hantke alle Anwesenden begrüßt und die Reihe der Redner eröffnet hatte, folgte ihr Schulleiter Oberstudiendirektor Peter Seidl ans Rednerpult.

In England sei eine Zusammenkunft aller Schüler, die sogenannte Assembly, regelmäßig üblich. Er nehme diese Tradition gerne auf. "Allerdings sparen wir uns das gemeinsame Lied," meinte Schulleiter Peter Seidl augenzwinkernd. Den Gesangsbeitrag reichten Schülerinnen dann im Anschluss an Oberbürgermeister Michael Cernys Rede und die Ansprache von Levi Meister (Gesellschaft Transfair) nach. Die Mädchen sangen einen eigenen Text zur Melodie von Pink Floyds "Another Brick in the Wall".

Seidl wies besonders auf das Engagement des Enthusiasten Dr. Kollhoff hin. Er ist pensionierter Chemiker und unterrichtet Schüler in Vertretungsstunden im Fach "Zukunft", wie er es selbst betitelt. Und zwar ohne Lehrer zu sein und auch, ohne dafür Entgelt zu erhalten. Als lange Jahre tätiger Chemiker, so sagte Kollhoff, wolle er der Gesellschaft etwas zurückgeben, "denn die heutige Welt muss besser und gerechter werden. Und wer soll das schaffen, wenn nicht unsere Kinder?"

Schule als Vorbild

Diese haben an ihrem Aktionstag Einfallsreichtum und Engagement bewiesen. Mit einer Kleider-Tauschbörse und einer Unterschriftensammlung an Entwicklungshilfeminister Gerd Müller für die Schaffung eines eigenen Labels, um eine faire Bezahlung von Kleider-Näherinnen zu garantieren. Der Oberbürgermeister würdigte die Tatkraft der Buben und Mädchen. Sein persönliches Ziel sei es, ganz Amberg zu einer Fairtrade-Stadt zu machen. "Da seid ihr nun schon weiter", sagte Cerny.
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