Für Katastrophenfall gerüstet

Die Mitarbeiter des Klinikums üben, wie beispielsweise beim jüngsten Schockraumtraining, gemeinsam mit Feuerwehr, Rettungsdienst und der Integrierten Leitstelle immer wieder Katastrophenszenarien, damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt. Bild: hfz

Der Fahrer eines Tiefladers will den Bahnübergang in Freihung-Sand überqueren und bleibt liegen. Die Schranken schließen sich und der herannahende Regionalexpress rammt den Lkw mit großer Wucht. Bei dem schweren Unglück erst vor knapp zwei Wochen wurden zwei Menschen getötet, 18 weitere verletzt.

Solche Ereignisse bedeuten nicht nur für die Feuerwehr und den Rettungsdienst, sondern auch für die umliegenden Krankenhäuser: Großeinsatz! Um in einem solchen Fall alle Opfer bestmöglich versorgen zu können, hat das Klinikum St. Marien mit der Integrierten Leitstelle Nordoberpfalz vor einigen Monaten den Alarmierungsmodus "Massenanfall von Verletzten (MANV)" eingerichtet, der die zeitgleiche Behandlung von bis zu 18 Notfall-Patienten sicherstellt. Auf diese Strukturen kann die Leitstelle direkt zugreifen.

Sie hat das nach dem Zugunglück in Freihung-Sand auch getan und Katastrophenalarm ausgelöst, damit alle Menschen selbst in Extremsituationen wie dieser individuell versorgt werden können. Alle Verantwortlichen sind nach Auskunft des Klinikums sofort informiert worden, Pflegekräfte und Ärzte wurden herangezogen, OP-Säle und die Schockräume in der Notaufnahme vorbereitet.

80 Leute Gewehr bei Fuß

"Innerhalb kürzester Zeit standen mehr als 80 Mitarbeiter zusätzlich bereit, die aus dem Urlaub oder ihrer Freizeit gerufen wurden, um die angekündigten Verletzten zu versorgen", schildert Dr. Harald Hollnberger, der Ärztliche Direktor von St. Marien, in einer Pressemitteilung. "Alles hat sehr gut funktioniert", wird darin auch Klinikumsvorstand Manfred Wendl zitiert. Und weiter: "Das liegt zum einen daran, dass wir solche Szenarien immer wieder üben, zum anderen aber vor allem am Engagement und Pflichtbewusstsein jedes einzelnen Mitarbeiters - ein großes Dankeschön an alle Beteiligten."

Drei Schockraum- und fünf OP-Bereitschaftsteams standen zur Verfügung, um im Fall der Fälle Schwerstverletzte sofort operieren zu können. "Wir waren so aufgestellt, dass drei lebensgefährlich Verletzte, fünf schwer und zehn leicht verletzte Personen ohne Probleme versorgt hätten werden können. Zusätzlich dazu wäre es möglich gewesen, in fünf OP-Sälen gleichzeitig Patienten zu behandeln", erläutert Dr. Robert Bauer, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, in der Presseinfo. Auch die Intensivstation war demnach auf den Katastrophenfall vorbereitet. Dazu stehe den Ärzten neben dem Computertomographen in der Zentralen Notaufnahme ein zweites CT-Gerät in der Strahlentherapie zur Verfügung - für eine noch schnellere Diagnose.

Klinikum kann mehr leisten

Letztendlich sind am 5. November fünf Leichtverletzte vom Rettungsdienst ins Amberger Klinikum gebracht worden. "Gott sei Dank wurden nicht mehr Menschen bei diesem Unglück verletzt. Wir sind aber sehr gut vorbereitet und in Sachen Katastrophenschutz sehr gut aufgestellt. Dank des Einsatzes unserer Mitarbeiter hätten wir auch mehr Verletzte versorgen können", resümiert Manfred Wendl. "Egal ob Chefarzt, Labormitarbeiter oder Pflegekräfte - alle Berufsgruppen haben Hand in Hand gearbeitet, um eine umfassende Notfallversorgung für die Region auch in extremen Ausnahmesituationen sicherzustellen."
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