Für Toleranz einstehen

Werner Mutterer. Bilder: Sandig (5)

Martin Schnappauf war 1959/60 in Alabama, einem der Südstaaten in den USA. Als Weißer durfte er nicht mit Schwarzen reden. "Das war furchtbar", erinnert er sich. Am Montagabend reihte er sich in die Demo ein, um für eine bunte, tolerante und offene Gesellschaft einzustehen.

"Man muss immer den Kontakt suchen, man darf niemanden abstempeln", sagt er angesichts der Tatsache, dass manche Menschen Muslime nach den Attentaten von Paris unter Generalverdacht stellen. Ebenso wichtig ist ihm die Presse- und Meinungsfreiheit. "Wenn wir die nicht mehr haben, dann sind wir arm dran", sagt der 77-Jährige. Eingereiht in den Zug vom Marktplatz zum Malteserplatz haben sich auch zwei junge Frauen, beide 26 Jahre alt und jede mit einem Luftballon in der Hand. Sie haben von der Aktion, zu der Michaela Peter vom Kunstkombinat aufgerufen hat, aus der Zeitung erfahren. Spontan beschlossen sie, sich anzuschließen. "Ich finde es gut, dass es das hier in Amberg gibt", sagt Sonja. Ihre Freundin Alice pflichtet ihr bei: "Das gibt's sonst nur in Großstädten." Für die beiden Frauen ist es genauso wie für den 77-jährigen Martin Schnappauf die erste Demonstration.

Mit Ballon durch die Stadt

Aus Ehenfeld ist der 15-jährige Schüler Marius Brandt nach Amberg gekommen. Da die Demo-Organisatorin Michaela Peter eine Bekannte seiner Eltern ist, wurde er auf die Aktion aufmerksam. Die Anschläge von Paris waren es, die ihn bewogen haben, auf die Straße zu gehen und zum Multifunktionsplatz zu ziehen, um dort seinen Luftballon für Toleranz, Freiheit und Vielfalt steigen zu lassen. Auch für ihn ist es die erste Teilnahme an einer Demonstration.

Toleranz und Freiheit: Für Werner Mutterer aus Amberg sind das wichtige gesellschaftliche Werte. Ein Anliegen ist dem Amberger, dass Menschen miteinander reden. Denn nur so komme man in Kontakt und könne Vorurteile abbauen. "Wer Angst hat vor der Welt, der hat noch nicht gecheckt, dass wir zu 99 Prozent fremd sind", sagt er in Richtung des Anti-Islam-Bündnisses Pedida.

Auch Ahmet Yüksel von der türkisch-islamischen Gemeinde ist gekommen. Er werde langsam müde, immer erklären zu müssen, dass Attentate wie das von Paris nichts mit seinem Glauben zu tun haben. "Da geht es immer um Ideologien - und die müssen keine Religion im Hintergrund haben." Die Attentäter von Paris seien Menschen, die eine absolut verzerrte Wahrnehmung hätten.
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