Ganz klein, aber einzigartig

Normalerweise ist die Weinzierlkapelle nicht zugänglich. Umso spannender ist der Blick ins Innere: Die kleine Kuppel ist reich verziert - ein Werk des italienischen Stuckateurs Giovanni Batista Callone, der auch die Bergkirche und die Schulkirche ausgestaltet hat. Bilder: Hartl (2)

Besonders groß ist es nicht, das Dreifaltigkeitskircherl. Aber es geht noch kleiner: Direkt daran angebaut ist die Weinzierlkapelle: Ein echter Schatz, der normalerweise nicht zugänglich ist. Doch die AZ öffnet dieses Türchen heute in ihrem Adventskalender und erlaubt so einen Blick hinein - in den einzigen überkuppelten Zentralbau in Amberg.

Eine Amberger Spezialität, die vielen Einheimischen vielleicht gar nicht bekannt ist. "Wenn man auf der Regensburger Straße fährt, kommt man direkt an diesem kleinen Anbau vorbei", gibt ihnen Stadtheimatpflegerin Beate Wolters eine Orientierungshilfe. Wer bei Rot an der Ampel halten muss und dabei an der richtigen Stelle stehe, könne sehen, "dass eine kleine Kuppel über diesem Anbau sitzt - also wirklich wie ein kleines Kapellchen".

Sogar mit "Laterne"

Dieses besteht laut Wolters aus einem kleinen, quadratischen Bau "mit einer vollkommen ausgebildeten Kuppel über Zwickeln, sogar mit einer kleinen Laterne gekrönt". Letzteres beschreibt jenen hochgestellten Zylinder, der eingeschoben ist, bevor sich die Kuppel schließt. Weil er verglast ist, bringt er zusätzliches Licht in den Bau. Innen sei die Kuppel "ganz reich ausstuckiert, über und über mit Blattstäben und Rankenwerk überzogen", schwärmt Wolters. In den Zwickeln tummeln sich Engelsköpfchen und Putten, die einige Gegenstände in den Händen halten. Wolters listet auf: Eine Waage, ein Feuerschwert, einen Totenkopf, Wolken und eine Krone sind dabei. Symbole, die sich "gut friedhofstauglich interpretieren lassen", wie die Heimatpflegerin hinzufügt: "Der Tote (Totenkopf) tritt vors Gericht (Waage), kommt dann ins Fegefeuer (Flammenschwert) und vielleicht in den Himmel, wo ihn die Krone des Lebens erwartet - vielleicht ist das damit gemeint."

Italienische Stuck-Kunst

Die reichen Verzierungen seien das Werk des italienischen Stuckateurs Giovanni Battista Carlone, der auch die Bergkirche und die Schulkirche ausgestaltet habe. In Letzterer "haben wir diese Stuckatur aber nicht mehr, die ist 1750 komplett abgeschlagen worden und erneuert worden, dann im Rokoko-Stil." Carlone sei also tatsächlich in der Stadt gewesen - "ich denke, bei einer dieser Aufträge wird er die Weinzierlkapelle mit erledigt haben".

Solche frommen Stiftungen habe es öfter gegeben - eine kleine Kapelle als direkter Anbau an eine größere sei aber schon ungewöhnlich, meint Wolters. Die Weinzierlkapelle trage den Namen ihres Stifters, über den ansonsten aber nichts bekannt sei. "Aber man kann davon ausgehen, dass es fürs Seelenheil war", ergänzt die Heimatpflegerin.

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Der AZ-Adventskalender im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/azadventskalender2014
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