Ganz nah dran am Menschen

Diakon Peter Bublitz tritt am 1. September seine Stelle im Gefängnis an. Erst begrüßt ihn der JVA-Leiter, dann gibt es die Sicherheitsbelehrung und das Kennenlernen der Abteilungen. "In den ersten Tagen werde ich mit Seelsorge noch nicht viel zu tun haben", schätzt der Sulzbach-Rosenberg. "Ich muss mich ja auch erst einmal zurechtfinden und mein Büro einräumen", sagt er. Das erste Vertraute und Gewohnte wird der Sonntagsgottesdienst sein. Bild: Hartl

Seelsorge macht vor der Pforte eines Krankenhauses nicht Halt. Ebenso wenig vor den Toren eines Gefängnisses. Beide Dienste sind eine Herausforderung. Peter Bublitz nimmt sie an, zum 1. September geht er freiwillig hinter Gitter.

Sieben Jahre lang war der Sulzbach-Rosenberger Diakon in Ursulapoppenricht, weitere 13 Jahre in der Amberger Stadtpfarrei St. Martin. Nach zwei Jahrzehnten, so fand Bublitz, sei es Zeit für einen Wechsel, um nochmals eine neue Aufgabe anzunehmen. "Ich war ein gutes Jahr auf der Suche", so der knapp 55-Jährige. Doch die Stelle als katholischer Gefängnis-Seelsorger hatte er dabei so gar nicht im Blick. Berührungen mit dem Dienst hinter Gittern habe es allerdings schon gegeben, immer dann, wenn er Diakon Alfons Eiber bei den Sonntagsgottesdiensten in der Justizvollzugsanstalt vertrat.

"Das ist Seelsorge pur"

Im Herbst 2014 war es der bisherige Gefängnis-Seelsorger selbst, der Bublitz sagte, dass er in Rente gehe, und ihn fragte, ob er die Aufgabe nicht künftig übernehmen wolle. Und nach einigen Überlegungen wollte Peter Bublitz. "Das ist Seelsorge pur", sagt er über seine neue Tätigkeit. Dazu zählen Gespräche, natürlich die Gottesdienste, diakonische Aufgaben und - im Gegensatz zu seiner bisherigen Arbeit - auch Teamwork und Netzwerkarbeit, zum Beispiel mit den Sozialarbeitern. "In den Pfarreien ist man oftmals Einzelkämpfer", sagt Bublitz. Dass man aufeinander angewiesen ist, ist dem Sulzbach-Rosenberger nicht fremd, schließlich kennt er das aus seiner ursprünglichen Tätigkeit in der Anästhesie und der Intensivmedizin.

Für die Menschen, um die er sich künftig kümmert, will er "den Himmel offen halten"; ihnen das Gefühl vermitteln, egal, was sie angestellt haben, und wenn auch alle mit ihnen gebrochen haben, "Gott hält noch zu dir". Eine Ikone in Peter Bublitz' Wohnzimmer zeigt Christus und Abt Menas, dem im Pariser Louvre hängenden Original nachempfunden. Christus legt in dieser Darstellung liebevoll den Arm um Menas. Für Bublitz ist dies ein Bild für die Seelsorge, die er künftig betreiben will. Als jemand, der dem anderen den Arm um die Schulter legt, ihn aufmunternd auf den Rücken klopft, ihn ein paar Minuten zum Anlehnen gibt. "Ich will Gott ein bisschen präsent halten", sagt er bescheiden.

In gewisser Weise seien sich Gefängnis- und Notfallseelsorge ähnlich. Wiederfahre jemandem ein Unglück, würden viele Menschen auch erst einmal Abstand halten. Ähnlich sei es mit Inhaftierten. "Es geht da als auch dort nicht um die große Theologie, sondern um Menschlichkeit." Seiner Meinung nach gehört die Kirche auch unbedingt ins Gefängnis. "Es gibt nicht nur freudige Lebenswenden wie Taufe, Kommunion, Firmung und Hochzeit", sondern eben auch schlechte. Ein Haftantritt sei so eine. "Auch dort ist Kirche notwendig", sagt der Diakon und dröselt das Wort in "Not" und "wendig" auf: Man müsse Not ein Stück weit wenden.

Oftmals Brüche im Leben

Näher als in der Gefängnis-Seelsorge könne man fast nicht mehr am Menschen dran sein, findet Bublitz. "Da geht es so richtig rein in die Biografie und auch zu so manchen Brüchen im Leben." In der JVA wird der Diakon ein Büro beziehen, gleich neben seinem evangelischen Kollegen und auf einem Gang mit den anderen Sozialdiensten, der Drogenberatung und der Verwaltung. Bublitz will nicht nur Seelsorger für die Gefangenen sein, sondern auch für die Beschäftigten.

Es heißt ja Gefängnis-Seelsorger und nicht Gefangenen-Seelsorger", sagt er und vergleicht es mit der Krankenhaus-Seelsorge. Auch da sei man nicht nur für die Patienten da, "sonst wäre es ja der Kranken-Seelsorger". Die ersten zwei Wochen wird Peter Bublitz mit seinem eigentlichen Dienst am Menschen noch nicht so viel zu tun haben - "ich muss mich ja auch erst einmal zurecht finden", sagt er.
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