Gebraucht, aber schick

Akkurat hängt ein Shirt nach dem anderen auf dem Ständer. Sortiert sind sie nach Farben. Die Hosen im Regal nach Größen. Fast wie in einem richtigen Geschäft. Mit dem Unterschied: Was reinkommt, kann niemand im Team beeinflussen.

Donnerstagvormittag in der Salzgasse. Vor dem Laden, den der Förderverein des Sozialdiensts katholischer Frauen (SkF) betreibt, steht ein Aufsteller. Er zeigt an, dass heute geöffnet ist. Drinnen sind schon einige Kundinnen, die das Angebot begutachten. Sie schauen bei den Blazern genauso wie bei den Shirts, ziehen Hosen auf dem Regal - und verschwinden in der Kabine zum Anprobieren.

Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin des SkF steht an der Kasse. Vor ihr liegt ein Berg von Klamotten. Sie rechnet zusammen, was das alles kostet, sucht dann unter dem Tresen nach einer Plastiktüte. Die Kundin zahlt und zieht zufrieden von dannen. Jeden Donnerstag hat der Kleiderladen des SkF geöffnet, vormittags von 8 bis 12 Uhr, nachmittags von 14 bis 16.30 Uhr.

Aus kleinen Anfängen

Eigentlich mag Theresia Fiebig keine englischen Ausdrücke in der deutschen Sprache, doch jetzt benutzt sie selbst einen, weil der ihrer Meinung nach am besten passt. "Wir sind ein Second-Hand-Laden", sagt sie. "Das trifft es genau", pflichtet ihr Waltraud Frieser, die den Kleiderladen leitet, bei. Der Shop ist aus bescheidenen Anfängen entstanden, um einerseits Menschen, die nicht viel Geld haben, die Möglichkeit zum günstigen Einkauf zu geben, andererseits, um die Arbeit des SkF zu unterstützen. Deshalb gibt es auch den Förderverein. "Zunächst standen wir mit einem Stand, also einem Biertisch und einem Pavillon, auf der Krambrücke", erzählt Frieser von der ersten Aktion. "Und jetzt sind wir ein moderner Second-Hand-Laden."

Jeden ersten Montag im Monat ist Waren-Annahme. Dann ist für die Damen im Kleiderladen erst einmal Sortieren angesagt. Sie müssen auswählen: Ware, die direkt in die Regale und auf die Ständer kommt; Klamotten fürs Lager, weil's momentan Frühsommer ist und Angeliefertes eher für Herbst oder Winter passt; Sachen, die für die Kleiderverwertung sind. "Wir kriegen wirklich sehr großzügige Kleiderspenden von den Leuten", sagt Frieser über all jene, die den Laden immer wieder beliefern. Drei Tage dauert es ihren Angaben nach, all das zu begutachten, zu sortieren und einzuräumen. Die T-Shirts am Ständer sind nach Farben geordnet, die Hosen in den Regalen nach Größen, auf der anderen Seite sind Klamotten für Übergrößen. Waltraud Frieser kennt viele Leute, die sagen: "Das passt nicht mehr, das kriegt der SkF." Sie wohnt in Poppenricht, dort hat es sich längst rumgesprochen, dass sie sich für den SkF engagiert. Deshalb bringen ihr viele Leute privat etwas für den Laden vorbei. Erst kürzlich wieder standen zwei Säcke vor ihrer Tür. "Die nehme ich dann halt beim nächsten Mal, wenn ich im Kleiderladen bin, mit", sagt sie. Die Arbeit für die Einrichtung des SkF-Fördervereins macht ihr Spaß. "Ich habe immer so eine große Freude, wenn jemand bei uns was gefunden hat und glücklich rausgeht", gesteht sie. "Das gibt einem so viel zurück."

Und glücklich seien schon viele Menschen gewesen. Zum Beispiel junge Damen, die für wenig Geld ein tolles Kleid für ihren Abschlussball an der Schule suchen. Oder eine junge Geigerin, die für einen Auftritt das passende Outfit brauchte, fündig wurde und im schwarzen Kleid zum Konzert ging. Sogar eine Großfamilie kleidete sich hier ein, weil sie zu einer Hochzeit eingeladen war.

Auch alles für die Babys

Nicol Durand wollte sich schon immer engagieren und etwas für andere tun. Durch eine Freundin stieß sie zum Team. Das war im September. Weil ihre Tochter gerade Ferien hat, hilft auch die an diesem Donnerstag mit. "Ich habe die ganzen Schuhe sortiert", berichtet das Mädchen. "Das hast du super gemacht", lobt Theresia Fiebig, eine der Teamleiterinnen.

Nicol Durand ist hauptsächlich in der Kinderabteilung tätig. "Nachgefragt wird alles", sagt sie und deutet auf die Fächer: Babyausstattungen genauso wie Bezüge fürs Kinderbett, Strampler und Strumpfhosen, Bodys und Badetücher. So langsam neigt sich der Vormittag seinem Ende zu. Nach der Mittagspause tritt ein anderes Team zum Dienst an - und neue Kunden kommen.(Hintergrund)
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