Geburtstagswunsch: Neue Beine

Bürgermeister Martin Preuß war am Montag und Dienstag wieder als städtischer Gratulant unterwegs. Zwei 90. Geburtstage standen auf dem Programm. Diesmal gab's für die Damen aber keine Wolldecken.

Strahlenden Sonnenschein und ein Maniküre-Set als Geschenk der Stadt Amberg bringe er mit, meinte Preuß, als er am Montag bei Helga Köpnick vorbeischaute, um ihr alles Gute zu wünschen. Sie wolle nicht undankbar sein, entgegnete die Jubilarin, aber es wäre ihr noch lieber gewesen, der Vertreter des Oberbürgermeisters hätte für sie neue Beine dabei gehabt.

Helga Köpnick wurde am 27. April 1925 in Breslau geboren. Bereits ein Jahr später starb die Mutter. Das Mädchen wurde zusammen mit seinem Bruder von der Oma großgezogen. Mit zehn Jahren musste die kleine Helga die Schrecken der Reichskristallnacht miterleben. Noch heute verwundert sie das Schweigen der Bevölkerung über die damaligen Gräueltaten.

Helga Köpnick lernte Schneiderin, 1943 wurde sie zum Reichsarbeitsdienst einberufen und als Nachrichtenhelferin nach Linz beordert. Sie geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der sie ein halbes Jahr später wieder entlassen wurde. Schließlich strandete sie in Amberg, wo sie im Auffanglager Josefshaus eine vorübergehende Bleibe fand.

Hier lernte sie Günther Köpnick kennen, einen Kraftfahrer der Wehrmacht, der von den amerikanischen Besatzungsbehörden mitsamt seinem Auto dem Straßenbauamt zugeteilt worden war, wo er dann auch die nächsten 40 Jahre beschäftigt blieb. 1947 heirateten Helga und Günther Köpnick, zwei Söhne kamen zur Welt, später zwei Enkeltöchter. Als die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, arbeitete Helga Köpnick in den Modehäusern Nehammer und Oberpaur als Verkäuferin, bis sie gemeinsam mit ihrem Mann 1985 in Rente ging. Günther Köpnick starb vor fünf Jahren, seine Frau lebt jetzt alleine in ihrem Haus, versorgt vom Sohn und der Schwiegertochter.

Viele vergebliche Versuche

Zwei Kinder, drei Enkel und einen Urenkel hat Anna Zakon, die am Dienstag ihren 90. Geburtstag feierte. Aber nur Sohn und Schwiegertochter wohnen in Amberg und unterstützen die in ihren eigenen vier Wänden lebende Seniorin, die am 28. April 1925 in Peswitz/Sudetenland geboren wurde. Sie wurde Damenschneiderin und konnte dann auch im erlernten Beruf arbeiten. 1946 heiratete sie den Feinmechaniker Josef Zakon, den sie schon von Kindesbeinen an kannte und der wenige Monate zuvor aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassen worden war.

Josef Zakon arbeitete als Bohrwerkdreher in den Mannesmann-Rohrwerken, seine Anna trug die Post aus. 1977 wurde den Eheleuten nach mehreren vergeblichen Versuchen die Ausreise nach Deutschland gestattet. Sie zogen zum Vater der Jubilarin, der bereits in Amberg wohnte. 2006 verstarb Josef Zakon.

Und welches Geschenk überreichte Bürgermeister Preuß Anna Zakon? Natürlich auch ein Maniküre-Set.
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