Gedenkarbeit: Sepp Adamiok hofft auf Hilfe von Schulen
Per Internet das Vergessen bekämpfen

Die Gedenkstätte für 293 Kriegsgefangene und "Fremdarbeiter" im Katharinenfriedhof könnte nach Sepp Adamioks Vorstellungen Ausgangspunkt für einen Brückenschlag nach Osteuropa werden. Bild: Steinbacher
Viele kennen Sepp Adamiok als denjenigen, der aus den heruntergekommenen Soldatengräbern im Katharinenfriedhof eine würdige Gedenkstätte gemacht hat. Aber dem 80-Jährigen ist nicht nur die Erinnerung an die 574 dort Beerdigten ein Anliegen. Er möchte das Andenken an alle Opfer der Kriege fördern.

"Aus dem Osten"

Und dabei hat er derzeit vor allem die acht Steinplatten unter der Aussegnungshalle des Katharinenfriedhofs im Blick. Sie verzeichnen die Namen, die Todesjahre und manchmal auch die Geburtsdaten von 293 "Menschen aus dem Osten", wie eine Tafel an der Wand sie nennt. Kriegsgefangene und "Fremdarbeiter" aus Osteuropa waren es, die hier ihre letzte Ruhestätte fanden - während des Zweiten Weltkriegs, aber auch noch in den Jahren danach, denn viele von ihnen konnten 1945 nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren.

"Seht unser Leid, begrabt den Streit", mahnt ein Schriftzug auf dem größten Gedenkstein. Sepp Adamiok hegt die Hoffnung, dass eine Schulklasse sich diesen Satz zu Herzen nehmen und an eine Aufgabe herantreten könnte, die er als überfällig einstuft: mehr über die hier Begrabenen herauszufinden. Zunächst einmal den Ort, an dem sie tatsächlich beerdigt wurden. Adamiok vermutet, dass viele von ihnen in der Nähe der Platten und entlang einer kleinen Mauer etwas weiter unten liegen, "aber so genau weiß das anscheinend keiner". Dann wären die vollständigen Namen und Daten der 293 Menschen interessant. Wenn man die herausfinden und über eine Internet-Seite allgemein zugänglich machen könnte, hätte man eine neue Verbindung nach Osteuropa geschaffen, für die womöglich viele der Nachkommen dankbar wären.

Über die Stadt Amberg ließe sich da einiges herausfinden, meint Adamiok. Stimmt, sagt Jörg Fischer vom Stadtarchiv. Er kennt etwa Berichte über eine Bombardierung der Luitpoldhütte im Krieg, bei der rund 50 "Fremdarbeiter" ums Leben kamen, weil es für sie keine Splittergräben gab. Sie sollen in einem Massengrab auf dem Katharinenfriedhof beerdigt worden sein.

Über das Friedhofsamt und das Standesamt ließen sich weitere Informationen zu den 293 Namen gewinnen, vermutet Fischer. "Wenn sich jemand daran macht, sind wir gerne bereit, ihm zu helfen." Der Diplom-Archivar könnte sich vorstellen, dass die Nachforschung eine lohnende Aufgabe für Gymnasiasten eines W-Seminars wäre. Sepp Adamiok ist davon überzeugt, dass eine Beschäftigung mit diesem Thema niemand unberührt lässt: "Ich glaube, wenn ein junger Mensch vor diesen Gräbern steht, dann hat er ganz andere Gefühle." Auf diesem Weg könnte die Mahnung wirken: Seht unser Leid, begrabt den Streit.
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