Gefährliches Design

Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale Suchtkranke.

18,8 Millionen Euro Bilanzvolumen und 362 hauptamtliche Mitarbeiter: Der Caritas-Verband ist zu einem stattlichen Unternehmen gewachsen. Und an Arbeit mangelt es dem Sozialverband nicht, die Nachfrage nach Beratung ist ungebrochen groß.

Ehe Vorsitzender Dr. Wolfgang Schmalzbauer bei der Caritas-Mitgliederversammlung den Tätigkeits- und Finanzbericht vorlegte, sprach Regionaldekan Ludwig Gradl das geistliche Wort. Laut Schmalzbauer entfällt der größte Teil der knapp 19 Millionen Euro umfassenden Bilanzsumme auf die beiden Altenheime in Amberg (Marienheim und Friedlandstraße) sowie auf die drei Sozialstationen in Sulzbach-Rosenberg, Ensdorf und Amberg.

Kita und Krippe

Mit der Übernahme der Betriebsträgerschaft der Siemens-Kindertagesstätte und der Kinderkrippe an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Amberg habe die Caritas vor zwei Jahren Neuland betreten. Bis dahin habe der Verband mit dem Marienheim lediglich für einen klassischen Kindergarten die Trägerschaft übernommen.

Äußerst schwierig gestalte sich aufgrund fehlender Fördermittel der dringend notwendige Ausbau der Beratungsdienste der Caritas im katholischen Sozial- und Bildungszentrum. Insbesondere im Bereich der Schuldnerberatung, der Migrationsberatung und der Asyl-Sozialarbeit könne die Nachfrage nach Hilfen zum Teil nur noch bedingt befriedigt werden. Anschaulich erläuterte Diplom-Sozialpädagoge Walter Buchecker, der die Fachambulanz für Suchtprobleme der Caritas leitet, die Probleme, die Drogen mit sich bringt. Gemeinsam sei den Konsumenten bisheriger und neuer Drogen der Wunsch, aus der Realität zu fliehen. Mit Design verbinde man in der Regel etwas Neues, etwas Gutes, auch etwas Kostspieliges. "Ganz anders verhält es sich, wenn von Designer-Drogen die Rede ist."

Alkohol und Haschisch

Besonders gefährlich gelten laut Buchecker synthetische Cannabinoide wie Spice oder Kräutermischungen, über die Kinder und Jugendliche an Drogen herangeführt führten. Ein legaler Status sage nichts über die Gefährlichkeit eines Produkts aus, betonte der Leiter der Fachambulanz für Suchtberatung und beantwortete die Frage nach der Zielgruppe mit einem Slogan der Caritas: "Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale Suchtkranke".

Bei der Debatte um die Legalisierung leichter Drogen gehe vollkommen unter, dass es in Deutschland drei Millionen Alkoholabhängige und pro Jahr 40 000 Alkoholtote gebe. Bis zu drei Millionen Menschen konsumierten regelmäßig Haschisch.

Gruppe für Kinder

Besonders Kinder leiden darunter, wenn die Eltern von einer Suchterkrankung betroffen sind. Deshalb haben die Caritas und die Erziehungsberatung eine wöchentliche Gruppe initiiert: Auf spielerische Weise erfahren betroffene Kinder, dass die Sucht ihrer Eltern eine Krankheit ist.
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