Gefangen im Mantel aus Blei

Über ihr Leben mit Depressionen sprach Heide Fuhljahn. Bild: Hartl

2006 war ihr schlimmste Zeit, erzählt Heide Fuhljahn. Damals empfand sie ihr Leiden wie einen Mantel aus Blei. Ihr Freund hatte sich von ihr getrennt, nach und nach verlor sie alle Fähigkeiten. Ihre Krankheit teilt sie sich mit vier Millionen Deutschen - Tendenz steigend.

Auf Einladung des Sozialpsychiatrischen Zentrums war Fuhljahn aus Hamburg nach Amberg gereist. Sie kam mit der Bahn. Vor etlichen Monaten hätte sie das noch gar nicht bewältigen können. "Was für Gesunde unspektakulär ist, ist für mich immer noch etwas Besonderes", sagt die an Depressionen leidende Journalistin.

Wie ich lebe, was mir hilft

Im Lesecafé der Stadtbibliothek erfahren die Zuhörer, wie sich Depressionen anfühlen und welcher Weg hinaus führt. In ihrem Buch "Kalt erwischt - wie ich mit Depressionen lebe und was mir hilft" hat Fuhljahn alles niedergeschrieben. Sie habe sich bemüht, "möglichst viel Expertenwissen in möglichst verständlicher Sprache wiederzugeben", erklärt sie. Abwechselnd spricht und liest sie, dazwischen werden Fragen beantwortet. Ruhig schaut sie in die Runde, das Mikrofon in der Hand, die Stimme auf Therapeutenniveau. Keine Energie, immer traurig und antriebslos sei sie gewesen. Die Krankheit habe auch ihre Lesefähigkeit aufgefressen, "Langeweile wurde nur durch Essen unterbrochen."

Heide Fuhljahn, geboren 1974 in Kiel, hatte nach dem Abitur und einer Banklehre Skandinavistik, Strafrecht und Kriminologie studiert. Als freie Fachjournalistin konzentriert sie sich seit vielen Jahren auf die Schwerpunkte Psychologie, Gesundheit und Ernährung. Seit 2008 schreibt sie auch für die Frauenzeitschrift Brigitte. Seit ihrer Kindheit leide sie an Depressionen. Als sie neun Jahre alt ist, stirbt ihre alkoholkranke Mutter. Sie selbst kommt in ein Heim. Keiner besuchte sie dort. Später zieht sie zu ihrem Vater, zu dem sie keine emotionale Beziehung hat. Viele leidvolle Erlebnisse führen immer tiefer in die Depression.

Nicht nach Schema F

Fuhljahn weiß, wie schwer es ist, den richtigen Psychotherapeuten, die passende Therapie zu finden. "Nicht alle funktionieren nach Schema F", sagt sie. Ihr habe am meisten die Musiktherapie geholfen. Auch ihr Therapeut "Dr. Weston" zeigte ihr einen Weg auf, sich zu stabilisieren, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und nicht zu hohe Erwartungen an sich zu stellen. "Wenn ich versuche, viel zu arbeiten, kommt der Einbruch". Depressionen hätten sich zur Volkskrankheit entwickelt, hatte Heidi Himmelhuber, die das Sozialpsychiatrische Zentrum leitet, in ihrer Begrüßung gesagt und auf die Angebote ihrer Einrichtung verwiesen.
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